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12. OKTOBER 2018

12.10.2018 | Tageskommentar

„Les Troyens“ an der Wiener Staatsoper. Premiere ist am Sonntag. Anna Caterina Antonacci hat die GP gestern ausgelassen. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Die gestrige Generalprobe verheißt eine gelungene Premiere für Sonntag. Anna Caterina Antonacci musste sich schonen, wurde deshalb für diese GP von Monika Bohinec ersetzt.

Die bei mir eingelangten Rückmeldungen sind positiv (wären sie negativ, würde ich vor einer Premiere darüber nicht schreiben).

Die im Vorfeld entstandenen Interviews rufen wir Ihnen in Erinnerung:

ALAIN ALTINOGLU: Es geht darum, was Berlioz gewollt hat

Alain Altinoglu. Foto: Wiener Staatsoper

ZUM INTERVIEW Alain Altinoglu (mit Dr. Renate Wagner)

BRANDON JOVANOVICH: Musik ist ein Teil meiner Seele

Brandon Jovanovich. Foto: Peter Dressel (Webseite Staatsoper)

ZUM INTERVIEW Brandon Jovanovich (mit Dr. Renate Wagner)

YOYCE DiDONATO: „Didon verschafft mir Gänsehaut“

Yoyce DiDonato. Foto: Simon Pauly

ZUM INTERVIEW Joyce DiDonato (mit Dr. Renate Wagner)

Wiener Staatsoper: EUGEN ONEGIN am 10.10.

Alexey Markov. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Dem St. Petersburger Alexey Markov hätte man für sein Hausdebüt eine theatergerechtere Inszenierung gewünscht. Er wirkte auch in der dritten Vorstellung der aktuellen Serie immer noch steif und gehemmt. Was der Skizzierung der Arroganz des gelangweilten, dem Leben  überdrüssig gewordenen, Dandy ja noch eher entgegen kommen mag. Onegin als unglücklicher, und andere unglücklich machender Lebemann – das schien er weniger zu verkörpern. Die Aura des Neurotikers im Sinne des legendären Psychiaters und Opernfans mit der Lieblingsoper „Eugen Onegin“, Erwin Ringel, strahlte er nicht aus. Er führte einen ausnehmend schön timbrierten Bariton elegant spazieren, ließ aber Erschütterung nach dem sinnlosen Duell mit Lenski sowie die aufflammende Leidenschaft der Gremin-Gattin Tatjana gegenüber weitgehend vermissen. So verpuffte die Schluss-Szene immer noch seltsam unterkühlt. Um ihn gerecht beurteilen zu können, wird es Begegnungen auch in anderen Rollen brauchen…

Zum Bericht von Karl Masek

München/ Bayerische Staatsoper: LA TRAVIATA am 9.10.

Ein Moment höchster Dramatik: Alfredo beschimpft Violetta. Mit Pavol Breslik (Alfredo), Galeano Salas (Gaston), Christian Rieger (Baron Duphol), und Kristina Mkhitaryan (Violetta)  © Wilfried Hösl

Susanne Kittel-May ortet im Zuschauerraum nicht wenige sogenannte Opernfreunde, die zwar nicht dem Alter, aber dem Verhalten nach erst jüngst dem Kindergarten entsprungen scheinen:  Das Publikum im Parkett ist in dieser Aufführung schrecklich. Es wird geschwätzt und gehustet, was das Zeug hält, natürlich zielsicher an den leisesten Stellen. Bonbons werden so ausgewickelt, dass das Knistern möglichst lange stört, manche bringen ihr Pausengetränk mit in den Zuschauerraum, und – das Schlimmste – einer Person hat die Vorstellung so viel Spaß gemacht, dass sie die wunderbaren Melodien lustig mitsummt. Gottseidank hört das im Laufe der Vorstellung auf, sodass als letzter Eindruck die wunderbaren Stimmen von Kristina Mkhitaryan und Pavol Breslik bleiben.

Zum Bericht von Susanne Kittel-May

DORTMUND: DER BARBIER VON SEVILLA. Neuinszenierung/ Vorstellung vom 10.10

Denis Velev, Morgan Moody, Hannes Brock, Petr Sokolov, Sunnyboy Dladla, Copyright: Anke Sundermeier/ stage picture

…Rossinis „Barbier“ ist eine typische Opera buffa mit oft drastischen Bühneneffekten. Einen jungen Regisseur wie MARTIN G. BERGER muß es also reizen, traditionelle Komik mal gegen den Strich zu bürsten. Die inszenatorische Absicht wird aus dem Schlußsatz des Erzählers wohl besonders deutlich. Bei seinem Abgang rät HANNES BROCK (vielseitiger Tenor, jetzt a.D., aber bei Bedarf weiterhin im Einsatz) den Zuschauern nämlich, sich die Fortsetzung der Geschichte (Mozarts „Figaro“) vor Augen zu führen.

Hinter Buffa-Freundlichkeit können sich also durchaus Abgründe auftun, so empfindet es der Regisseur. Um dies zu verdeutlichen, greift er auf die Mittel des Puppenspiels zurück…

Zum Bericht von Christoph Zimmermann

Auch Werner Häußner hat sich die Inszenierung angesehen und bewertet wie folgt: Da hampeln sie also an ihren Fäden, die Geschöpfe von Gioachino Rossini und Cesare Sterbini, verkettet mit ihren alten Wurzeln in der Commedia dell’arte und überformt von Beaumarchais‘ vorsichtig die Zensur fürchtenden revolutionären Gedanken. In Dortmund macht der 1987 geborene Martin G. Berger zum Beginn der Intendanz von Heribert Germeshausen aus dem „Barbier von Sevilla“ ein Marionettenspiel, richtet Rossinis unsterbliche musikalische Komödie rücksichtslos nach eigenen Bedürfnissen ein und lässt die Oper nach einer resigniert vergeblichen Revolution „gegen die Festschreibungen einer Gesellschaft“ ziemlich lädiert zurück…

Zum Bericht von Werner Häußner

Wiener Konzerthaus streamt Konzerte
Klassik-Fans können ab dieser Saison ein digitales Abo beim Konzerthaus abschließen. Das Wiener Konzerthaus geht neue Wege und bietet ab dieser Saison einen Streaming-Zyklus an. Gemeinsam mit der Online-Plattform takt1 hat das Konzerthaus ein digitales Abo aufgelegt. Im Paket finden sich sieben Konzerte, die auf verschiedenen Endgeräten wie Computer, Handy oder Fernseher verfolgt werden können.
Die Presse

München/ Gärtnerplatztheater: Vor der Premiere  eine Buchbesprechung: Gottfried von Einem und „Dantons Tod“
Premiere im Gärtnerplatztheater: Der Biograf des Komponisten Gottfried von Einem über dessen Oper „Dantons Tod“

Womöglich war sein Leben interessanter als seine Musik. Es gibt Fotos aus Bayreuth, auf denen der junge Gottfried von Einem (1918–1996) hinter Adolf Hitler steht. Später wurde der Komponist von der Gestapo verhört. Er stand der Widerstandsgruppe „Onkel Emil“ um Ruth Andreas-Friedrich nahe und unterstützte einen Pianisten, der wegen seiner jüdischen Herkunft untergetaucht in Berlin lebte. Joachim Reiber hat eine Biografie des Komponisten verfasst, dessen Oper „Dantons Tod“ ab Donnerstag im Gärtnerplatztheater zu sehen ist…
Münchner Abendzeitung

Frank Schönenborn zu seinem Wagner-Buch: Der Mann, der den ganzen Wagner kennt
„Wagneruniversum“: der Titel von Frank Schönenborns Buch ist so umfassend, wie es sein Inhalt verdient: In mehreren Bänden schreibt der Autor über sämtliche Ton- und Bildaufnahmen von Wagners Musikdramen, die es jemals gegeben hat. Bislang gibt es zwei Bände, der im Sommer 2018 erschienene Band zwei nimmt den „Ring des Nibelungen“ unter die Lupe.
BR-Klassik

LOS ANGELES: „DON CARLO“ mit Placido Domingo

Placido Domingo. Copyright: Cory Weaver

LA Opera – Don Carlo with Plácido Domingo
http://entertainmenttoday.net/theater/19135/2018/10/la-opera

25 Jahre Usedomer Musikfestival in Glanzbesetzung

Von Ursula Wiegand


Usedom, stürmische Ostsee vor Bansin, Foto Ursula Wiegand

Musik liegt in der Ostseeluft über der Insel Usedom. Immer. Dafür sorgen ganzjährig Wind und Wellen, vor allem im Herbst. Am 7. Oktober war Fortissimo angesagt. Presto, presto jagte der Sturm die Wogen an den Strand von Bansin. Wer sich dennoch unter dräuenden Wolken auf die Seebrücke wagte, musste sich gegen die Böen anstemmen. Überdies mischte sich dissonantes Möwengeschrei im Diskant mit den rauschenden Bass-Partien der Wälder. Insgesamt ein Naturkonzert sondergleichen…

Zum Bericht von Ursula Wiegand

WIEN/ Kammerspiele der Josefstadt: JOSEF UND MARIA von Peter Turrini

Ulli Maier und Johannes Silberschneider. Foto: Theater in der Josefstadt

Auf der Bühne liegt Schnee – was man nicht ganz versteht, denn man befindet sich eindeutig im Inneren eines Warenhauses, nicht draußen. Weit schlimmer aber ist die dicke Staubschicht, die auf „Josef und Maria“ von Peter Turrini lastet, dem Weihnachtsstück, das keines ist – das aber seinerzeit, bei der Uraufführung 1980 im Volkstheater (mit Elisabeth Epp und Heinz Moog) stark zu seinem Ruhm beigetragen hat. Als „kraftvoller Volksdramatiker“, der den Leuten „aufs Maul schaut“ und sich um ihre armen Seelen bekümmert.

Inzwischen sind die arme Putzfrau und der arme Pensionist, die beide einsam genug sind, um am Heiligen Abend in einem Warenhaus Dienst zu tun, zu reinen Klischees erstarrt. Abgesehen davon wirken sie stellenweise so peinlich, als kämen sie aus einer dieser schrecklichen Sendungen von Elisabeth T. Spira, wo naive Seelen grausam in ihrer ganzen Dümmlichkeit vorgeführt werden…

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Mit der Spira verglichen zu werden, geht es eigentlich noch tiefer für Herrn Turrini?

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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