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12. MÄRZ 2020 – Donnerstag

12.03.2020 | Tageskommentar

HEUTE VOR 75 JAHREN: DIE WIENER STAATSOPER WURDE ZERBOMBT. Foto: Wiener Staatsoper

Eine historische Frage: hat die Staatsoper eigentlich bis zur Zerstörung trotz Bombenkriegs regulär weitergespielt? (Frage eines Lesers)

Nicht so ganz: Am 30. Juni 1944 fand die letzte Vorstellung vor der Sommerpause statt; es sollte die allerletzte Aufführung im alten Gebäude der Wiener Staatsoper überhaupt werden. Hans Knappertsbusch, der schon die erste Vorstellung nach dem Anschluss Österreichs im Jahr 1938 dirigiert hatte, stand auch diesmal am Pult. Auf dem Programm stand Wagners Götterdämmerung. Die letzte Regieanweisung dieser Oper lautet: „Helle Flammen scheinen in dem Saal der Götter aufzuschlagen. Als die Götter von den Flammen gänzlich verhüllt sind, fällt der Vorhang.“

Mit 1. September 1944 verfügte Joseph Goebbels im Zuge des totalen Kriegseinsatzes der Kulturschaffenden die Schließung aller Theater des Deutschen Reiches. Am 12. März 1945 wurde das Haus zerstört.

Vor 75 Jahren: Die Zerstörung der Wiener Staatsoper
Am 12. März 1945 fliegen die Amerikaner ihre schwersten Angriffe auf Wien. Die Staatsoper brennt, unter dem Philipphof sterben bis zu 300 Menschen.
Die Presse

Für mich persönlich ist dieser 12. März 1945 ein traumatisches Datum (obwohl ich noch nicht geboren war). Von der Staatsoper weg hat der Befreier nach links abgedreht und einige Bomben über Meidling fallen lassen. Dabei wurde mein Elternhaus (wo sich heute die Online-Galerie befindet) getroffen und  zerstört. Meine Großeltern und Eltern mussten das Haus mit eigenen Händen und natürlich auf eigene Kosten wieder aufbauen. Zuschuss, Hilfsfonds? Man wäre ausgelacht worden.

Zumindest mit der Behörde/ Baupolizei hatte man damals aber keine Probleme! Heute wird man bereits wieder sekkiert!

 

Wenige Sekunden/ Minuten nach der Staatsoper wurde mein Elternhaus getroffen, Schutt liegt vor dem heutigen Eingang zur Online-Galerie/Redaktion.

Angeblich soll der Kampfflieger einen besonders schlechten Tag gehabt haben – oder unter Alkoholeinfluss gestanden sein. Er wollte gar nicht die Staatsoper treffen (wäre auch nicht leicht so präzische möglich gewesen, sondern die etwa 6-8 km Luftlinie entfernte Öl-Raffinerie, was sogar irgendwie Sinn gemacht hätte). Da war er zu spät dran. Dann bog er nach Meidling ab, weil dort 2 Kasernen sind (heute noch und unversehrt). Eine liegt nahe der Philadelphiabrücke/Wienerbergstraße. Da war er zu früh dran und räumte die Ecke Zeleborgasse/ Vivenotgasse ab.

75 Jahre später wird in der Wiener Staatsoper auch nicht gespielt

Als man den Direktor zubilligte, mit Mailand bis zum Sommer eine Doppeldirektion durchführen zu dürfen, hat man angenommen, dass er in Wien ohnehin nicht gebraucht wird. Nun sitzt der Direktor in Mailand (und fliegt hoffentlich nicht hin und her) und in Wien schläft man – so scheint es, „in der Pendeluhr“.

Anderswo wird reagiert. München setzt Streams an, ebenso Berlin:

Die ursprünglich für heute, den 12. März vorgesehene Vorstellung von Bizets CARMEN unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim wird ohne Publikum im Saal stattfinden, aber dennoch für die Öffentlichkeit zu erleben sein. In Kooperation mit dem rbb wird die Produktion um 19 Uhr live auf den Websites von rbb und Staatsoper Unter den Linden kostenlos gestreamt, live bei rbbKultur im Radio gesendet und am Samstag, dem 14. März, um 20.15 Uhr außerdem im rbb Fernsehen ausgestrahlt.

„Dies ist – wie ich denke – gemeinsam mit unserem Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern ein wichtiges Zeichen in dieser schwierigen Situation. Wir danken dem rbb für die schnelle Initiative und die äußerst kooperative Zusammenarbeit.“, so Intendant Matthias Schulz.

Mit „Carmen“ gegen das Coronavirus
Tagesspiegel

München: STAATSOPER.TV: Alternativer Online-Spielplan bis 19. April

Nach der Absage aller Vorstellungen an der Bayerischen Staatsoper vom 11. März bis 19. April versuchen wir, einzelne Vorstellungen als Live-Stream oder als Video-on-Demand auf www.staatsoper.tv zur Verfügung zu stellen.  Über alle Online-Angebote halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.

Und Wien? Derartige Initiativen sind nicht geplant, wohl aber wird man, wohl die Mindestanforderung, mit den Kunden Kontakt aufnehmen:

Alle Kundinnen und Kunden wurden bereits bzw. werden nach Möglichkeit in den nächsten Tagen direkt kontaktiert. Einzelkarten für Vorstellungen von 10. März bis 2. April 2020 können bis 30. Juni 2020 gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgegeben werden. Abonnement- und ZyklenbesitzerInnen werden gesondert informiert.

Für Fragen wenden sich Besucherinnen und Besucher bitte an die Vorverkaufsstellen oder die Bundestheaterkassen (+43 1 51444-7880).

Theater an der Wien: Was geschieht mit FIDELIO? TV-Übertragung am 20.3.

In geplanter Form kann die Premiere am Montag natürlich nicht stattfinden, ob und in welcher Form sie stattfindet, steht noch nicht fest. Geplant ist aber eine Fernsehhübertragung der Vorstellung am Freitag, 20.3. – zeitversetzt und wahrscheinlich ohne Saalpublikum.

Wien
Neue Premierentermine und weitere Absagen

Theater in der Josefstadt plant voraus, Kleintheater sperren teilweise zu. „Fidelio“ wird wahrscheinlich im ORF übertragen.
Wiener Zeitung

Kulturabsagen wegen Corona: Was hat offen, was hat zu?
Welche Museen geschlossen haben, welche Kinos noch Tickets verkaufen: Die Absagen im Überblick.
Der Intendant der Wiener Festwochen geht davon aus, dass das Festival ab Mitte Mai wie geplant stattfinden kann.
Die Presse

Coronavirus trifft Kultur: Wer zahlt für Absagen, wer hält noch offen?
Zahlreiche Kulturinstitutionen machen nach dem Regierungserlass aufgrund des Coronavirus dicht. Das Publikum wird meist schadlos bleiben, die Veranstalter nicht
Der Standard

PETITION: Unterstützung für Künstler während des Corona Viruses

Martin D.hat diese Petition erstellt, an folgende Zielperson/Zielgruppe: Die Bundesregierung
Täglich werden Veranstaltungen abgesagt durch übermässige Panikmacherei in den Medien.
Wir als Freiberufliche Künstler haben keine Sicherheitsnetze die uns finanziell unterstützen.
Bitte schliessen Sie uns an !

 ZUR PETITION

Coronavirus – Kulturstaatsministerin verspricht Kultureinrichtungen und Künstlern Unterstützung
Grütters: „Auf unverschuldete Notlagen und Härtefälle reagieren“
https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/staatsministerin

Coronas Schatten lastet auf den freien Kunstschaffenden
Sänger, Musiker, bildende Künstler, Autoren: Selbstständige tragen den Kulturbetrieb. Die Coronamaßnahmen der Regierung sind für viele eine „Einkommenskatastrophe“.
Salzburger Nachrichten

Doch noch eine Kritik! Bezeichnenderweise /makaber „DIE TOTE STADT“ (Kiel, 10.3.)

Nach verschiedenen Opernbesuchen im südlichen Dänemark und in der Grenzstadt Flensburg bewies nun auch der Abend im Opernhaus Kiel, dass es nördlich von Hamburg viele sehenswerte Produktionen gibt.

Die tote Stadt gilt als größter Opernerfolg von Erich Wolfgang Korngold. Gerade einmal 23 Jahre war der Komponist alt, als die Uraufführung am 4 Dezember 1920 zeitgleich in Hamburg und Köln stattfand. Schon damals war das Publikum begeistert vom unvergleichlichen Klangrausch des Werks. Später wurde Korngold nach seiner Flucht aus Nazi-Deutschland in den USA mit zwei Oscars für seine Filmmusiken ausgezeichnet…

Zum Bericht von Marc Rohde

Am SAMSTAG: In den Kinos: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER aus der Metropolitan Opera (Kampe; Nikitin)

Wie machen das die Kinos? Im Normalfall sehen keine 100 Besucher einen Film, bei Übertragungen aus der Metropolitan Opera ist das etwas anders. Mir wurde berichtet, dass die Kinos nur die erlaubten 100 Besucher in den Saal lassen und dafür sorgen, dass keine zwei Besucher nebeneinander sitzen. Bei Bedarf und Möglichkeit werden zusätzlich Säle geöffnet!

Ob die „100 Personen indoor-Regelung“ auch in Deutschland gilt, weiß ich nicht. Vor zwei Tagen habe ich die österreichische Regierung noch wegen der besonnenen Vorgangsweise gelobt, nun aber ist man in die typisch österreichische Mentalität verfallen und übertreibt!

Österreich
Sind 100 schon zu viel? So streng sieht es fast nur Österreich
Die Presse

Wenn Sie auf „Nummer sicher“ gehen wollen, bleiben Sie daheim. GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK 12. – 18. MÄRZ 2020

12.3. KÖNIG UND MARSCHALL (aus Kopenhagen, Aufnahme v. 22.5.2019) NNC 3-15 Uhr
13.3. LA CENERENTOLA (Live aus New York) MET-Stream-1.25 Uhr
14.3. DER FLIEGENDE HOLLÄNDER (Live aus New York) RAI 3, Radio 4Hilversum- 19 Uhr
ORLANDO (aus Wien, Aufnahme v. 8.12.2019) Bayern 4-19.05 Uhr
AL GRAN SOLE (Live aus Mainz) Deutschlandradio-19.05 Uhr
KÖNIG UND MARSCHALL (aus Kopenhagen, Aufnahme v. 22.5.2019) ORF Ö1- 19.30 Uhr
DER FLIEGENDE HOLLÄNDER (Live zeitvers. aus New York) BBC 3-19.30 Uhr
15.3. DER FLIEGENDE HOLLÄNDER (aus New York, Aufnahme v. 14.3.) France Musique- 20 Uhr
DER FLIEGENDE HOLLÄNDER (aus New York, Aufnahme v. 14.3.) SWR 2-20.03 Uhr
17.3. WERTHER (Live aus New York) MET-Stream-1.25 Uhr

Ihr müsst nicht so tun, als würdet ihr die Botschaft von Theaterstücken und Opern verstehen — denn es geht um etwas ganz anderes
Neulich saß ich bei einer Mozart-Oper im Publikum und war verwirrt. Was ich da sah, kam mir so gar nicht mozart-artig vor. Die Hauptdarsteller bewegten sich die meiste Zeit in einem Monstertruck über die Bühne. Zwei von ihnen betrieben außerdem ein gemeinsames Crystal Meth-Labor. Die wichtigsten Szenen der Aufführung wurden als Video auf einen riesigen Heißluftballon projiziert und in einer Szene entführt ein Ufo ein paar der Figuren. Ich fand zwar sehr unterhaltsam, was mir da geboten wurde. Doch eine Frage beschäftigte mich die ganze Zeit über: Durfte ich das cool finden? Oder wurde ich gerade Zeugin von der Verschandelung eines klassischen Meisterwerks?
https://www.businessinsider.de/panorama/ihr-muesst-nicht-so-tun-als-wuerdet-ihr

INSTAG(K)RAMEREINEN – gefunden von Fritz Krammer

Auch in den 1960er-Jahren gab es Diven-PR

Grace Bumbry spielte auch diese Sparte gut!

 

ZU INSTAGRAM

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Diana Damrau und der (das) Virus – gefunden von Wolfgang Habermann

 

ZUM YOUTUBE-VIDEO

Man darf die Situation auch heiter nehmen! Allerdings ist das Video nicht brandneu, es betrifft die „normale Grippe“, an der allerdings mehr Menschen sterben als an Corona. Der/ das Virus an Damrau: „Es ist immer dasselbe, jeder will mit mir ganz rasch ins Bett – und dann will man mich rasch loswerden!“

DIE BIOGRAPHIE ÜBER CHRISTIAN GOTTLOB NEEFE  (von Manuela Miebach) IST NUN TROTZ VERZÖGERUNG ERSCHIENEN UND KANN AUSGELIEFERT WERDEN

Die Christian Gottlob Neefe Biografie von Manuela Miebach ist endlich auf Lager und kann bei Bestellung binnen von 3 -7 Tagen ausgeliefert werden. Preis 28,80 EUR

 

WIEN/ Theater in der Josefstadt: Christopher Hampton nach Stefan Zweig: Geheimnis einer Unbekannten

Martina Ebm, Michael Dangl. Foto: Barbara Zeininger

Premiere auf 9.4. verschoben (wegen Corona-Virus)

Coronavirus: Ab Montag werden die Schulen geschlossen
Regierung präsentierte Plan für eine Million Schüler: Oberstufenschüler werden ab Montag zu Hause bleiben, Jüngere ab Mittwoch.
Kurier

Jetzt verlieren unsere Regierenden vollkommen die Übersicht, zeigen sich als total überfordert. Existenzen werden mutwillig ruiniert, mit meinen zeitweise 15 Mitarbeitern wäre ich binnen Monatsfrist ruiniert gewesen. Zum Glück bin ich nicht mehr „im Geschäft“. Nicht alle Österreicher sind Beamte, aber Freiberufler und Gewerbetreibende kämpfen um die Existenz! Ihnen gilt mein Mitgefühl!

Was drakonische Einschränkungen für Veranstaltungen betrifft, folgt Österreich nach Italien bereits an zweiter Stelle – mit der generellen 100-Besucher-Indoor-Schwelle, die auch kleinere Kultureinrichtungen zwingt, ihre Pforten zu schließen oder Konzerte abzusagen.

Und die „Schulsperre“ setzt der Orientierungslosigkeit die Krone auf. Es ist noch kein Kind an Corona gestorben ( das Immunsystem der Kinder und Jugendlichen lacht über die neue Bedrohung), wohl aber ältere Menschen. Junge Menschen übertragen jedoch die Krankheit, weil sie viel körperlichen Kontakt in ihrem sozialen Umfeld haben. Kinder werden in der Zwangspause vermutlich den Großeltern anvertraut – bleiben wahrscheinlich auch nicht in der Wohnung sitzen und treffen sich mit Gleichaltrigen-  sie übertragen die Krankheit an die Zieladresse „Ältere Menschen“. Das ist kontraproduktiv.

Jetzt konzediere ich nicht mehr Besonnenheit, jetzt fällt mir nur ein anderes Wort ein, das auch mit B beginnt!

Trotzdem, ein schöner Tag möge Ihnen beschieden sein!

A.C.

 

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