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12. JUNI 2020 – Freitag

12.06.2020 | Tageskommentar

Der „ausverkaufte“ Wiener Musikverein! Das darf nicht wahr sein! Haltet inne mit diesem Irrsinn!. Foto: Kurt Vlach

So geht es nicht, das ist kontraproduktiv und zutiefst traurig!

Thomas Prochazka analysiert gewohnt scharfzüngig:

Nach der COVID-19-Pandemie scheint alles anders: Wo davor die »Tangente«, die Auslastung, die Mutter aller Zahlen war, geht es jetzt um »Signale«, um den »Aufbruch«. Nur: wohin bloß? Geld und finanzielle Verantwortung — auch der Gesellschaft gegenüber — scheinen keine Rolle zu spielen, nicht nur bei der »Kultur«. (Was nicht weiter verwundert, werden die Defizite ja nicht aus den Privatschatullen der Intendanten beglichen. Der kleine, aber feine Unterschied zwischen einem Intendanten und einem Impresario.)

Ob das in der Wienerstadt auch damit zusammenhängt, daß sich hier zwei Intendanten noch einmal im spätabendlichen Sonnenschein ihrer Regentschaften glänzen sehen wollen? Der eine meint sogar, man solle nicht so kleinlich sein und für seine letzte Veranstaltung geltendes Recht brechen. Und 250 anstelle der erlaubten 100 Besucher »einladen« — für 100 EUR pro Karte, wohlgemerkt.

Eine gute Freundin und gescheite Frau schrieb mir, ihr seien »diese sinnlosen Versuche zuwider, um jeden Preis irgendwelche ›Kultur‹ zu produzieren, die nur die brauchen, die sie machen, und viel weniger die, denen sie angeboten wird«. Hat sie recht?

Zu den Eindrücken von Thomas Prochazka: http://www.dermerker.com/index.cfm?objectid=5285A620-ABF1-11EA-B3B2005056A64872

Ich fürchte, die Dame hat recht! Wenn man sich dann auf dem Foto der Hundertschaft (besonders in den Konzertsälen) die vorherrschende „Inzucht“ ansieht (da immer die gleichen Leute vor die Kameras drängen, ist dieser Eindruck wohl zwangsläufig so) hat man den Eindruck, dass die Kulturschaffenden sich in erster Linie selbst beglücken!

Ich würde gar nicht mitmachen, denn wenn diesen Kommentar nur 100 Leute lesen, war es wohl der letzte. Selbst 500 würde ich als Zeichen werten, auf anderem Gebiet tätig zu werden. Zum Glück habe ich selbst in Krisenzeit mehr als das Zehnfache der 500!

„Raunz nicht, kauf“! – das war der Werbeslogan eines bekannten Werkzeugmarktes. Die Leute würden ja gerne kaufen, aber man lässt sie nicht.

Die Kulturbetriebe stehen am Abgrund! Aber sie wehren sich auch nicht – die geben klein mit „coronagestrickten Programmen“ bei.

So lange die Politiker sehen, mit welchen „Muatterl“ sie es zu tun haben, werden sie weiterhin die Kultur als Feigenblatt benützen, während Bäder u.s.w. längst offen haben.

Eine Verhöhnung! Wenn die Wunderstaatssekretärin nicht anderes zustande gebracht hat, als diese traurigen Bilder, dann ist auch sie eine traurige Erscheinung! Wenn Bogdan Roscic mit halbiertem Platzangebot beginnen muss, dann ist es besser, er schmeisst das Werkl hin! Aber wir werden ja hoffentlich in den nächsten Tagen erfahren, wie sich die Zuständigen das vorstellen!

Mir persönlich könnte es wurscht sein. Beim „Sturm auf die Theater“ bin ich sicher nicht dabei (mein Tagesablauf sieht den nicht vor), finanziell erlebe ich persönlich keinerlei Einbußen, ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten für jene eine Lanze zu brechen, die das selbst offenbar nicht vermögen. Ich bin nicht „goschert“, aber ich war immer ein „Macher“ – auch in dieser Krise!  Die echten Macher vermisse ich – mit ganz wenigen Ausnahmen!

BAYERISCHE STAATSOPER: MONTAGSKONZERTE AB 15. JUNI MIT PUBLIKUM. Am 29. Juni Kirill Petrenko und Jonas Kaufmann

Nikolaus Bachler tut zumindest, was er kann – und das ist mehr, als bloß cholerisch rumzuplärren. Gegen Söder hat er einen schweren Stand. Was Kultur betrifft, ist der ein „Bruder im Geiste“ – na, von wem wohl?

 

Bayerische Staatsoper: Die guten Nachrichten häufen sich: Zu den verbleibenden drei Montagskonzerten dürfen wir nun jeweils 50 Zuschauer in unser Haus einladen. Zum Saisonabschluss freuen wir uns auf ein Konzert unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kirill Petrenko mit Jonas Kaufmann am 29. Juni

Ab 15. Juni können wir für die verbleibenden Montagskonzerte jeweils 50 Plätze im Balkon und im 1. Rang zum Verkauf anbieten. Der Vorverkauf startet jeweils am Freitag davor ab 10 Uhr, ausschließlich online. Weiterhin werden alle Montagskonzerte live auf STAATSOPER.TV übertragen.

München
Opernintendant Bachler und der „Jetset-Künstler-Zirkus“
Opernintendant Nikolaus Bachler schätzt die corona-bedingte Verlangsamung des Alltags.
https://www.gmx.net/magazine/regio/bayern/opernintendant-bachler-jetset

Klage vor leerer Pracht – Die Bayerische Staatsoper meldet sich ein bisschen zurück
Neue Musikzeitung/nmz.de

Kultur-Neustart: Klaus Bachler sieht neue Opernzeiten
„Es wird nicht mehr, wie es war“ nach der Corona-Krise.
Wiener Zeitung

München/ Gärtnerplatztheater: Spielplan 15. bis 28. Juni 2020 – Staatstheater am Gärtnerplatz

 

Tickets unter 089 2185-1960 oder www.gaertnerplatztheater.de

EINMAL KÖNIG SEIN!
Eine Loge für Sie
Ein ca. 25-minütiges, exklusives Programm der schönsten Stimmen für maximal 16
Personen, die dies aus den fünf Logen des Gärtnerplatztheaters erleben können.
15./16./22./23. Juni 2020

Ausführlicherer Spielplan in den heutigen „Infos des Tages“

So will Salzburg eine Katastrophe à la Ischgl verhindern
Die Salzburger Festspiele sind das größte Kulturereignis des Sommers. Normalerweise werden dort Zehntausende Menschen in Theatersälen zusammengepfercht. Wie das Festival in Corona-Zeiten funktionieren soll, wurde jetzt enthüllt.
Die Welt.de

Pariser Operndirektor gibt wegen Krise sein Amt früher auf
Der Pariser Operndirektor Stephane Lissner überlässt dem Deutschen Alexander Neef wegen der wirtschaftlichen Krise das Zepter früher als geplant. Die Situation der Oper erfordere drastische und sofortige Entscheidungen, die erhebliche soziale Auswirkungen haben würden, sagte Lissner in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Tageszeitung „Le Monde“.
https://www.vol.at/pariser-operndirektor-gibt-wegen-krise-amt-fruehe

Krisen vertreiben den Pariser Operndirektor
Stéphane Lissner gibt wegen der Krise sein Amt sechs Monate früher ab.
Wiener Zeitung

Herr Lissner hat bereits einen neuen Job – wieder in Italien. Was man aus Frankreichs Kulturleben hört, ist allerdings beängstigend!

DIEGO SÁNCHEZ HAASE (18.5.1970*) Pancha y Elisa (https://www.youtube.com/watch?v=rhRYd0slEDk): Teatro Municipal „Ignacio A. Pane“ de Asunción, Paraguay 20.6.2018 (Uraufführung):

Marshall López Reinaldo Samaniego and Elisa Lynch MontserratMaldonado. Second act. Foto: Lourdes Franco Galli  

Die dreiaktige Oper des paraguayischen Komponisten und Dirigenten Diego Sánchez Haase basiert auf einem Text von Augusto Roa Bastos (1917-2005) und Alcibíades González Delvalle (1936*). Nach Florentin Giménez‘ (14.3.1925*) Oper „Juana de Lara“ (1987) ist es die zweite Oper eines Komponisten aus Paraguay. Das Libretto besteht vorwiegend aus Dialogen und wenigen Arien und enthält zahlreiche schnelle Szenenwechsel. Während die Stimmen in dieser Oper den Text deklamieren, besorgt das Orchester den melodischen Teil… 

Zum Bericht von Harald Lacina

Otto Schenk ist ab heute ein „Neunziger“

Er rezitiert vor seinen Hunden am Irrsee. C: Michael Horowitz)

Der Schenk hat immer sein Publikum gebraucht – und jetzt das!

Pünktlich zum Neunziger des Otto Schenk ist dieses Buch erschienen. Der Journalist, Autor und Fotograf Michael Horowitz hat diesen opulenten Band herausgebracht. Und der „Otti“ – wie er bis heute liebevoll genannt wird – ist in diesem reich bebilderten Lebensbuch weit mehr als bloß ein Co-Autor.

„Von der Magie des Menschenfressers“ ist im Klappentext die Rede. „Otto Schenk … überzeugt als beeindruckender Menschendarsteller durch seine einzigartige künstlerische Vielseitigkeit. Dieses intime Lebensbild zeigt den ‚Menschenfresser‘, der sein Publikum und jene Momente, die ihn berühren, glücklich und nachdenklich machen. Es präsentiert den großen Unterhalter … und einen abseits der Bühne nachdenklichen Melancholiker.“…

….Bei der Lektüre des Buches (es ist eines, das man am liebsten in einem Zug durchlesen würde, es zwischendurch wegzulegen ist kaum möglich) kommt einem unwillkürlich Joachim Ringelnatz in den Sinn. Ungezählte Menschen können den „Bumerang“ auswendig hersagen, als gesprochenen Ohrwurm, als Schlusspunkt und traditionelle, ultimative Zugabe bei seinen Leseabenden. Vergleichbar eigentlich nur mit Donauwalzer & Radetzkymarsch beim Philharmonischen Neujahrskonzert.

Ein würdiges Buch, eine liebevolle Hommage zu Lebzeiten für eine künstlerische Institution seit vielen Jahrzehnten, für eine lebende Legende.

Zur Buchbesprechung von Karl Masek

Otto Schenk wird 90 – Zitate über Theater und Oper, Leben und Spielen
Otto Schenk ist nicht nur immer für eine Pointe gut, sondern auch stets für tiefsinnige Betrachtungen über alle Aspekte des Lebens. Zu seinem runden Geburtstag haben wir einige Zitate aus seinen Interviews in einer Bildergalerie für Sie zusammengefasst.
https://www.nachrichten.at/nachrichten/fotogalerien/kultur/cme215593,2375810

Innsbruck
Festwochen der Alten Musik: Altbekanntes und Neuerdachtes
„Wir sind euphorisch, dass wir jetzt doch Festwochen durchführen dürfen“, ließ der Intendant der Festwochen der Alten Musik gestern per Aussendung wissen.
Tiroler Tageszeitung

Wie geht es weiter an den Opernhäusern?
Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat diese Woche die Deutschsprachige Opernkonferenz in Berlin getroffen – ein Zusammenschluss der dreizehn größten Opernhäuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wichtigster Gesprächspunkt des Treffens: die aktuelle Situation der Opernhäuser und ihr Wunsch nach Planungssicherheit trotz Corona. Einig waren sich die Ministerin und die Intendanten darüber, dass in der nächsten Saison endlich wieder vor Publikum gespielt werden soll. Wie genau das gehen soll, bleibt offen – auch bei den Opernhäusern im Norden.
https://www.ndr.de/kultur/musik/klassik/Wie-geht-es-weiter-an-Opernhaeusern

Saison 2020/21: Oper und Schauspiel in Köln stellen neue Spielpläne vor
Sie brennen darauf, wieder zu spielen! Am Mittwoch stellten Opern-Intendantin Birgit Meyer und ihr Schauspiel-Kollege Stefan Bachmann ihre jeweiligen Spielpläne für die kommende Spielzeit vor. Hier und da noch mit Fragezeichen versehen, aber getragen von dem Wunsch, der Krise mit Kunst  zu begegnen.
https://www.rundschau-online.de/region/koeln/saison-2020-21–oper-und

Wieso gelten Tenöre als dumm?
Warum singen Tenöre mit Kopfstimme? Weil sie dort die größten Hohlräume haben. Keine Stimmgruppe wird so durch den Kakao gezogen wie diese – und zwar schon sehr lange.
Frankfurter Rundschau

Die weltweite Massenkultur verbindet uns. Wer sie kritisiert, versteht sie nicht
Läuft die Globalisierung auf einen ungeniessbaren Einheitsbrei hinaus? Weit gefehlt! Durch den Austausch entsteht dauernd Neues und Interessantes – das aber stört die Puristen, die das «Ursprüngliche» bewahren möchten.
Neue Zürcher Zeitung

GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK 11. – 17. JUNI 2020

13.6. FIDELIO (aus Amsterdam, Aufnahme v. 15.2.1971) Radio 4Hilversum-19 Uhr
DON CARLO (aus Madrid, Aufnahme v. 21.9.2019) Bayern 4-19.05 Uhr
LA FAVORITA (aus Wien, Aufnahme v. 5.2.1989) ORF Ö1-19.30 Uhr
FAUSTS VERDAMMNIS (aus Berlin, Aufnahmw v. 22.11.2019) HR 2-20.04 Uhr
OTELLO (aus Wien, Aufnahme v. 20.6.2019) RAI 3-20.30 Uhr
14.6. MANON LESCAUT (aus New York, Aufnahme v. 3.12.2016) France Musiwque- 20 Uhr
LA VESTALE (aus München, Aufnahme v. 27.10.1991) WDR 3-20.04 Uhr

Stadt Wien legt „Wiener Großbühnen-Sanierungspaket“ vor
Noch vor dem Sommer soll Erhöhung der Sockelförderungen für Theater in der Josefstadt, Volkstheater und Theater der Jugend beschlossen werden.
https://diepresse.com/home/kultur/news/5824252

Wien/ Schönbrunn
Das erste Theater ist wieder da
Nach der Corona-Zwangspause öffnen Tamara Trojani und Konstantin Schenk wieder ihr „Dinner Theater Schönbrunn“ am Rande des Schlossparks.
https://diepresse.com/home/kultur/popco/5822416

Konstantin Schenk ist der Sohn von Otto Schenk. Er stemmt sich gegen die derzeitige Situation, hat es freilich leichter als die anderen Intendanten. Schenk betreibt mit seiner Gefährtin ein Privattheater, muss also nicht devot vor Politikerinnen und Politikern buckeln!

Österreich
Causa Axel Spörl: Stümperhafte Fälschung der Promotionsurkunde
Trenkler Tratsch: Anzeige wurde bei der Staatsanwaltschaft eingebracht, Bundestheater-Holding schreibt den Job neu aus
Kurier

Das ist ja wie beim „Hauptmann von Köpenick“. So leicht wird man etwas in diesem Land, wenn man einer „richtigen Partei“ nahesteht. Für einen Untersuchungsausschuss wird es wohl nicht reichen, das ist eine Posse mit dem Holding-Chef als „3. Akt-Komiker“!

Österreich/ Zeitungen
Zwei Drittel der Corona-Hilfen bekam der Boulevard
Von den 9,7 Millionen Sonderförderung gingen 2,7 an die „Krone“ und 1,8 an „Heute“.
Wiener Zeitung

Wundert Sie etwas an der Berichterstattung, Corona-Bingo und auch an den Umfrageergebnissen? Mich wundert gar nichts mehr. Kann man die „Kronen-Zeitung“ kaufen? Sicher nicht auf Ibiza. Es gibt elegantere Wege!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

 

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