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12. JÄNNER 2020 – Sonntag

12.01.2020 | Tageskommentar

LINZ/ Landestheater: IL TROVATORE. Premiere am 11.1. Izabela Matula (Leonora), Gotho Griesmeier (Ines). Foto: Reinhard Winkler/ Linzer Landestheater

Ohne Verdis „trilogia popolare“ kann man kein Opernhaus programmieren (außer in Bayreuth). Seit der Eröffnung des neuen Linzer Musiktheaters sind eine bemerkenswerte „Traviata“ (à la Wilson) und ein eher lauer „Rigoletto“ absolviert, fehlte also noch das unzweifelhaft anspruchsvollste der drei Werke.

Izabela Matula (Leonora), Sung-Kyu Park  (Manrico). Foto: Reinhard Winkler/ Linzer Landestheater

Am 12. Oktober 1853 erklang das Werk erstmals in Linz; seit 1945 ist der heutige Abend die 104. Aufführung, in der nunmehr 8. Inszenierung. Der Chef des Opernstudios, Gregor Horres, schafft in seinen dortigen Arbeiten immer, eine moderne Szenerie aufzustellen (Bühne und Kostüme: Jan Bammes, Video Volker Köster), ohne das Stück an sich zu vergewaltigen. Man hat den Eindruck einer intensive Durchdringung des (Musik)Textes und der Intentionen der Autoren, umgesetzt in eine plausible Personenführung.

Ausstattung und szenische Details freilich holperten diesmal doch etwas – z. B. erklärt sich nämlich nicht wirklich, warum immer wieder ein schwarzer und ein weißer Engel durchs Bild schlurften (die Generation Heinzi Conrads denkt da vielleicht an Schneeflockerl und Ruaßflankerl, wie sie Erich Meder vereint hat). Oder warum Manrico schon zu Beginn des zweiten Aktes bei Azucena (also bevor er zum comandante ernannt wird) in einer Prachtuniform auftaucht, die nicht einmal dem notorischen Pfau Hermann Göring zu minder gewesen wäre…

Zum Premierenbericht von Petra und Helmut Huber

NEW YORK/ WIEN/ „Die Met im Kino: WOZZECK (11.1.2020)

 

Renate Wagner war als Berichterstatterin im Kino: Die Metropolitan Opera in New York hat nun jene Produktion von Alban Bergs „Wozzeck“ übernommen, die einen schon nicht ganz glücklich gemacht hat, als man sie 2017 bei den Salzburger Festspielen sah. Natürlich ist William Kentridge ein bedeutender bildender Künstler, aber genau darin liegt das Problem der Aufführung. Er hat seiner Ideenfülle, Bergs Oper zu „bebildern“, nicht die geringsten Schranken auferlegt, er hat ganz einfach die Ausstattung zum Konzept gemacht. In einem Bühnenbild mit fester Einheitsstruktur, das dennoch ununterbrochen anders aussieht, da eine nie endende Folge von Videoprojektionen Bild und Stimmung dauernd verändern, versinken die Figuren des Geschehens nahezu in Bedeutungslosigkeit…

…Peter Mattei, der einen so hoheitsvollen, zynisch-eleganten Don Giovanni abgibt, ist ein Wozzeck der besonderen Art. Abgesehen von der exzellenten deutschen Aussprache des Schweden, fasziniert sein „Anderssein“ – nicht die arme, geschundene Kreatur, das herumgestoßene Opfer, wie man ihn so oft gesehen hat. Sondern ein völlig in sich verschlossener, verbohrter, manischer Mann, der auch so singt. Eine wirklich erkennbare psychologische Linie der Figur ist natürlich nicht zu erkennen, weil Kentridge ja keine Geschichte erzählt: Aber Matteis Präsenz ist bestechend und stark…

Übrigens: Der Opernfreund mag sich an James Levine erinnern, der diese Oper besonders liebte, der Dirigent, der alles konnte, den die Met auf Händen getragen hat und der nun dermaßen der „damnatio memoriae“ anheim gefallen ist, als hätte es ihn nie gegeben. Wie mittlerweile auch Placido Domingo, der in den Werbefilmen, die vor den Met-Vorstellungen stets ablaufen, vielfach unter den Superstars vertreten war. Mittlerweile ist er herausgeschnitten, verschwunden, als Erinnerung vernichtet. Eine seltsame Welt, in der wir leben.

Zum Bericht von Renate Wagner

Peter Mattei, Elza van den Heever. Foto: Metopera

Johannes Marksteiner gefällt die Inszenierung: William Kentridge, der Weltmeister der Bildkunst in der Oper, hat an der MET eine beispielhafte Inszenierung geboten, die dem Werk entspricht und trotz Zeitverschiebung – in den ersten Weltkrieg – einen glaubhaften und kompakten Handlungsablauf gezeigt. Ein bisschen Bühnenbild, viele Projektionen und Videoeinspielungen auf einem kleinen Fenster im Hintergrund, dazu noch die handelnden Personen samt eingeblendetem Text, da kommt das Auge kaum mit. Alles im Blick zu haben, ist da unmöglich, bei einer längeren Oper würden sich frühzeitig Ermüdungserscheinungen zeigen. Die Charaktere werden fast durchwegs am Rande des Wahnsinns gezeigt, bei der Titelfigur verständlich, bei den anderen nicht ganz…

Zum Bericht von Johannes Marksteiner

Flauer Kartenverkauf an der Metropolitan Opera

METROPOLITAN-OPERA: KARTENVERKAUF STOCKT

 

Ein interessanter Link zum Met Box Office für La Traviata, bis zu 1300 Karten pro Vorstellung sind im Jänner 2020 noch zu haben.

https://www.eticketsboxoffice.com/events/metropolitan-opera-la-traviata?gclid=CjwKCAiA3uDwBRBFEiwA1VsajLOftSBrBULIV2s3OkJDpjcP-_xcLyBUBxtQ7wbL_iMjOHQ8DufbCBoCZ8AQAvD_BwE

Ähnlich für La Bohème

https://www.eticketsboxoffice.com/events/metropolitan-opera-la-boheme?gclid=CjwKCAiA3uDwBRBFEiwA1VsajP951v_ABvqRhyLmaXMnR-1ViwG8xHb1_wczBSZvrbODSwoFoq6njxoCeVUQAvD_BwE

Roberto Alagna, Maria Agresta. Foto: Marty Sohl

New York
24 Years Later, Roberto Alagna Steps Back Into “Bohème’ at the Met
The New York Times

Agresta’s affecting Mimi brings humanity to the spectacle of Met’s “Boheme”
https://newyorkclassicalreview.com/2020/01/agrestas-affecting-mimi-brings

HEUTE „LOHENGRIN“ AN DER WIENER STAATSOPER: PIOTR BECZALA STEHT AUF DER BESETZUNGSLISTE

Lohengrin -Stream am Sonntag 19. Jänner (17 h)

KURZER TRAILER AUS DER PREMIERENSERIE

Als „Fidelio“ in Düsseldorf für Buhrufe sorgte
https://www.wz.de/nrw/duesseldorf/kultur/als-fidelio-in-duesseldorf

Bozen: Opernspielzeit 2020: Uraufführung von Manuela Kerers „Toteis“ als Highlight
https://www.stol.it/artikel/kultur/opernspielzeit-2020-urauffuehrung-von-manuela

„Mannheim: Richard Strauss-Tage beginnen
Wiederaufnahme von „Der Rosenkavalier“ im Mannheimer Nationaltheater
Wochenblatt

Hamburg Ballett, John Neumeier: Bernstein Dances begeistern die Zuschauer
Was für ein beglückender Abend; geboten wurden zwei Stunden schönster Tanz mit einer locker verbindenden Handlung. Allein dreimal wird die mitreißende, in die Füße fahrende Candide-Ouvertüre gespielt (Philharmonisches Staatsorchester Hamburg unter der Leitung von Garrett Keast): als Vorspiel, nach der Pause als durchchoreographiertes Ensemblestück (angeführt von Christopher Evans, hinter dem sich 27 Tänzerinnen und Tänzer in einer sich zum Bühnenhintergrund hin öffnenden Dreiecksformation aufbauen) sowie als getanztes Nachspiel während des Schlussapplauses des jubelnden Publikums.
Dr. Ralf Wegner berichtet vom Hamburg Ballett aus der Staatsoper Hamburg.
Klassik-begeistert

London: A piratical carry-on: English National Ballet revives Le Corsaire
bachtrack

Dresden / Kreuzkirche: ABSCHIED VON PETER SCHREIER IN EINEM „TRAUERGOTTESDIENST“

Die Trauerfeier fand in der Kreuzkirche statt, da Peter Schreier Mitglied des Dresdner Kreuzchores war und später als Evangelist und Tenor in Oratorien-Aufführungen dort gesungen hat. Natürlich lag da der Schwerpunkt auf der Geistlichen Musik. Die Semperoper hat sich bisher darauf beschränkt, ein großes Blumengebinde zu senden, und vielleicht war auch ein Vertreter anwesend, aber das war bei den über 3000 Menschen, die in die Kirche strömten, nicht auszumachen.

Mehr darüber in den heutigen Infos des Tages

BALLETT: STUTTGART/ Schauspielhaus: „CREATIONS I – III“

Odysseus und Penelope jung: Aurora De Mori + Riccardo Ferlito in „Lamento“. Foto: Stuttgarter Ballett

Musikalisch-tänzerische Gedankenspiele

Zum Bericht von Udo Klebes

HEUTE: „HALKA“ in ORF 3

„Erlebnis Bühne mit Barbara Rett“ präsentiert im Hauptabend zwei Neuproduktionen, darunter Stanisław Moniuszkos polnische Nationaloper „Halka“ (21.15 Uhr). Die Titelpartie in dieser Opernrarität hat die US-Amerikanerin Corinne Winters übernommen, in der Rolle des Jontek ist der polnische Startenor Piotr Beczała zu erleben, seinen Gegenspieler Janusz verkörpert der international renommierte Bassbariton Tomasz Konieczny. Weiters singt u. a. der Arnold Schoenberg Chor unter der Leitung von Erwin Ortner. Łukasz Borowicz dirigiert das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Für die Regie zeichnet Mariusz Treliński verantwortlich.

Vor der TV-Ausstrahlung der Moniuszko-Oper zeigt ORF III zur Einstimmung das neue Porträt „Ein Tag im Leben von Piotr Beczała“ (20.15 Uhr).

Marchfelderhof in Deutsch Wagram, 9.1.: Ein neuer Ehrenbürger und ein neues Musical

Gerhard Bocek, Gerhard Ernst und Peter Hofbauer (von links). Credit: Conny de Beauclair

Was ist das beste Stück von Deutsch Wagram? Das ist wohl …. der Marchfelderhof. Bleiben wir in Künstlerkreisen: Reifere Geburtstage werden da gefeiert, Kulturprogramme präsentiert, und gar Maestro Riccardo Muti dirigierte auf der Straße vorm Haus die örtliche Musikkapelle. Chef Gerhard Bocek hat durch die Jahrzehnte Wiener Prominenz und so manchen Weltstar in sein höchst originelles und übervoll bestücktes, recht schummriges Lokal geholt. Doch dafür hat der muntere, agile, kulturbeflissene und mit offenen Ohren durch die heimische Society (wie auch immer) spazierende Bocek ganz schön lang warten müssen: Jetzt hat er es geschafft, als neuer Ehrenbürger in den Himmel der Deutsch Wagramer Elite aufgenommen zu werden. Locker genommen.

Und locker hat an diesem Abend der Chef des Wiener Metropol, Peter Hofbauer, sein von ihm und Markus Gull geschriebenes neues Musical angekündigt: „Rock My Soul“ heißt es ab 12. Februar im Hernalser Tempel der Leichten Muse (wenn man sich heute noch so ausdrücken darf). Also, hinein dann in dieses ‚Das 70er-Jahre-Musical‘, unbeschwert hinein in die Swinging Seventies mit den Schlagern dieser Ära. Von den Darstellern Andy Lee Lang, Reinwald Kranner, Conny Mooswalder, Vincent Bueno frech vorgetragen klang dieser alte Sound hier recht ordentlich. Und als Gast von der Volksoper hat sich Gerhard Ernst dem fidelen Künstlertreiben munter angeschlossen. Allerdings, dieses famose Tschinellenorchester des Marchfelderhofes – das hier ist nur ein gestelltes Foto!

Wien: Gleichgeschlechtliches Paar eröffnet den Opernball
Premiere am Wiener Opernball: Am 20. Februar wird erstmals ein gleichgeschlechtliches Paar an der Eröffnung teilnehmen. Zwei junge Frauen aus Deutschland haben angefragt und wurden von den Organisatoren auch zugelassen, bestätigte die Wiener Staatsoper.
https://www.krone.at/2075897

Österreich: Kaup-Hasler: „Zweiseitige Liste mit Forderungen an den Bund“ Bezahlartikel
Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler über die Aufgabe des Künstlerhaustheaters, über Budgeterhöhungen und Visionen.
Kurier

Ich habe es gut, denn das ist ein Bezahlartikel, den ich erst gar nicht öffne. Was aber macht die Nundesregierung? Die Frau Kaup-Hasler schickt dieser ihre Liste frei Haus – und das 347 Tage vor Weihnachten. Achtung, heuer haben wir ein Schaltjahr!

Einen schönen Sonntag wünscht

A.C.

 

 

 

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