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12. FEBRUAR 2020 – Mittwoch

12.02.2020 | Tageskommentar

Wiener Staatsoper: „TOSCA“. Mehr Schatten als Licht. Martina Serafin. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Eine Tosca-Aufführung, die von der Meldung vom Tod der großen Mirella Freni überschattet wird, hat es nicht leicht. Besonders dann nicht, wenn man schon am Nachmittag eine Aufnahme von „Vissi d’arte“ – mit  d e r  Freni als Interpretin – gehört hat und Direktor Meyer am Abend dann vor den Vorhang tritt und das Publikum auffordert, stehend eine Minute lang dieser Ausnahmekünstlerin zu gedenken, die an der Wiener Staatsoper 96 Mal aufgetreten ist. Die „Tosca“ hat Freni für Schallplatte aufgenommen, auf einer Bühne hat sie sie nie gesungen. (Heinrich Schramm-Schiessl in seinem Nachruf: In Wien sang sie in 11 Werken insgesamt 95 Vorstellungen, am öftesten davon die „Boheme“ an 32 Abenden).

Die „Tosca“ am Montag war nicht unbedingt „Freni-würdig“ – aber das konnten die die Verantwortlichen vorher nicht wissen. „Insgesamt eine recht inhomogene Veranstaltung: Die Sterne waren diesmal nicht gnädig und haben kaum geleuchtet“.

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Zum Berliner Rosenkavalier: Vorsicht Satire

Nach der Premiere mit dem Motto „Es kreisten die Berge und ein Mäuslein ward geboren“: André Heller lebt in einem eigenen Universum und wenn er nur einmal „Pieps“ ruft, steht die gesamte Wiener Kultur-Society inkl. ORF ( Wrabetz und Zechner waren natürlich auch bei der Premiere) Gewehr bei Fuß.

Das ist nicht der „Original-Heller, sondern Schauspieler Florian Scheuba als Andre Heller. Mit von der Partie sind auch u.a. noch Erwin Steinhauer und Thomas Maurer. Foto: Youtube

EIN (bereits etwas älterer) YOUTUBE-BEITRAG MIT „DIE VIER DA“

Staatsoper Berlin „Der Rosenkavalier“
Sonntag fand Premiere des „Rosenkavaliers“ unter musikalischer Leitung von Zubin Mehta statt. Gemessen am indifferenten Tohuwabohu, mit dem man den Regie-Novizen André Heller entkommen ließ, muss dieser „Rosenkavalier“ als Publikumserfolg verbucht werden. Man fühlte sich wohl geschmeichelt von so viel Prominenz. Lassen wir die Kirche im Dorf: Schlimmer als eine hergelaufene Marelli- oder Bechtolf-Inszenierung eines Strauss-Werkes war das nicht.

https://www.rbb-online.de/rbbkultur/themen/musik/rezensionen/buehne/2020/02/staatsoper-rosenkavalier.html

Das klingt nicht eben euphorisch. Hymnen liest man aber über Günther Groissböck, der das Ochs-Klischee durch sein für einen Bassisten jugendlichen Alters stark verändert hat – an der Met wie auch nun in Berlin: Platz 1 und in der Tat der beste Ochs seit Jahrzehnten (im Grunde seit Richard Mayr): Günther Groissböck. Endlich mal kein krachlederner, ordinärer Landjunker. Groissböck verströmt eine Resterotik von „Bauer sucht Frau“.

André Hellers Modeg’schichten und Heiratssachen
Heller verdichtet den „Rosenkavalier“ an der Staatsoper Unter den Linden zum Kammerspiel der Gefühle
Der Standard
André Heller inszeniert erstmals Oper: Geschmackssicher bis in den Kitsch
Sueddeutsche Zeitung
Nichtigkeit, so schön. Abstieg ins Trübe verfehlt
André Hellers »Rosenkavalier« an der Berliner Staatsoper
https://www.jungewelt.de/artikel/372371.oper-nichtigkeit-so-schn.html

Ladas Klassikwelt 18: Meine Uhr – zum 137. Todestag von Richard Wagner

Richard Wagners Totenmaske

Am 13. Februar 1883 starb Richard Wagner im Alter von 69 Jahren in Venedig. Er wohnte dort im Palazzo Vendramin am Ufer des Canal Grande. An diesem Tag fühlte er sich irgendwann schlecht und rief nach Cosima.
Als er auf das Sofa gelegt wurde, fiel seine Uhr aus der Westentasche. Er sagte „Meine Uhr!“, und das waren seine letzten Worte.
Ein Gedicht von Jolanta Lada-Zielke:
„Die Uhr hatte keinen Schaden erlitten, sie tickte fröhlich weiter, während das kranke Herz ihres Besitzers für immer aufgehört hatte zu schlagen“,so schrieb Imre Keszi im Lebensroman Richard Wagners, „Unendliche Melodie“…
Klassik-begeistert

Berlin
Sanierung der Komischen Oper: Wem gehört das Grundstück in der Glinkastraße?
Vor dem Kammergericht streiten der Investor IVG und das Land Berlin darüber, wem das Areal gehört, auf dem der Neubau für die Komische Oper entstehen soll
Tagesspiegel

Der Rechtsstreit ist kompliziert wie kurios. Es geht um aus heutiger Sicht lächerliche 14,6 Millionen Euro, die niemals geflossen sind!  Denn der Kaufpreis war vertragsgemäß erst zu entrichten, wenn der Investor auch ein Zusatzgrundstück erworben hätte, die nicht minder illustre Adresse Unter den Linden 42.
Dort steht ein Plattenbau, in dem bis heute die Verwaltung der Komischen Oper sitzt. Vor 20 Jahren war das Haus zum Abriss freigegeben, unter Denkmalschutz wurde es erst später gestellt.

Was sind das für Beamte? Das darf doch nicht wahr sein. Ich erinnere mich da eines Falles in Wien in den Neuzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, als ein Senatsrat einen ähnlichen Vertrag mit mir in einer Sportplatzangelegenheit geschlossen hat – und daraufhin sofort gegangen wurde. Wir haben uns damals ausgeglichen (Vertrag ist Vertrag) – aber gratis war das nicht. Ähnlich sehe ich die Situation in Berlin!

Bedřich Smetana: Prodaná nevěsta (Die verkaufte Braut), Národní divadlo Praha (Nationaltheater Prag), Vorstellung: 09.02.2020


Foto © Národní divadlo Praha

To pivečko, to věru je nebeský dar! (Wie schäumst Du in den Gläsern, edler Gerstensaft!)

So wie „Der brave Soldat Schwejk“ National-Roman ist, dürfte „Die verkaufte“ Braut die Nationaloper Böhmens sein.

Während die Touristen in der Altstadt das Bier hochleben lassen, feiert das Nationaltheater in der Inszenierung von Magdalena Švecová Smetanas Meisterwerk. Švecová erzählt die Geschichte in der farbenfrohen, frischen Ausstattung von Petr Matásek (Kostüme: Zuzana Přidalová) eng am Libretto. Die Aufführung driftet dabei nie ins Verstaubte, Museale oder Kitschige ab…

Zum Bericht von Jan Krobot (Zürich)

London/ Barbican-Hall: Lise Davidsen review – a masterclass in seamless lyricism 

‘Partners in crime’ … soprano Lise Davidsen and accompanist James Baillieu at the Barbican, London.
Photograph: Graeme Robertson/the Guardian

Lise Davidsen review – a masterclass in seamless lyricism
The Guardian

Lise Davidsen: A superlative journey through the art of song
http://www.operatoday.com/content/2020/02/lise_davidsen_a.php

Lise Davidsen, James Baillieu, Barbican review – opulence and the promise of greatness
https://theartsdesk.com/classical-music/lise-davidsen-james-baillieu-barbican

LINZ/ BRUCKNERORCHESTER: Hier die Achte!

Das Bruckner Orchester Linz veröffentlicht Anton Bruckners Achte Sinfonie exklusiv auf Vinyl in einer Limited Edition mit einer hochwertig gestalteten Box!

 

Foto von Reinhard Winkler

Beim Konzert “Nulleins” am 26. Jänner wurde die “Achte” präsentiert, ab sofort ist die limitierte Auflage zum Preis von 50 € an den Kassen des Linzer Musiktheaters und Schauspielhauses erhältlich.

WIEN / TAG: REIGEN von Thomas Richter. Frei nach „Reigen“ von Arthur Schnitzler
Uraufführung-Premiere: 11. Februar 2020

Foto: Anna Stöcher

Renate Wagner besuchte die Premiere: Wer „Reigen“ sagt, denkt „Schnitzler“, und als Lockvogel ist er immer noch bestens geeignet. Dabei nennt das TAG für sein „Reigen“-Stück ganz richtig Thomas Richter als Autor. Von dem originalen „Reigen“ hat er gerade drei Worte übernommen: „Ah was – G’sicht“. Bei Schnitzler sagt es in der ersten Szene der Soldat, dem es egal ist, wie die Dirne aussieht. Hier sagt es die Sexarbeiterin zu ihrem impotenten Kunden. Der Rest ist – Eigenbau, und das ist auch gut so. Es ist besser, sich eigene Stücke zu schreiben, statt Vorhandenes zu „überschreiben“ und zu zerstören…

Der Autor unserer Zeit hat dazu durchaus Erkenntnisse und Einsichten bereit, die in unsere Gesellschaft hineinleuchten. Das Publikum zeigte sich überzeugt.

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Filme der Woche

Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE

Wir befinden uns mitten in der Hektik eines amerikanischen Fernsehstudios. Da wetzen sie herum, die hochkarätigen Stars, die in den USA jeder kennt, die Gesichter so glatt, die Haare so blond, die Erscheinung so perfekt gestylt. Sie sind diejenigen, die vor den Kameras ihre Shows haben. Wir erleben sie 2016, in einem Augenblick, wo sie Donald Trump für seine widerlichen Attacken auf Frauen angreifen. Aber was hilft es ihnen? „Bombshells“ zeigt Schritt für Schritt, wie jede von ihnen Opfer ist – auch wenn sie sich nun wehren…

Die Damen sind tatsächlich Bomben (an Persönlichkeit), aber so ist „Bombshell“ nicht gemeint – eher geht es um Bomben, die nun endlich geplatzt sind. Vielleicht ein bisschen zu sehr ausgeschlachtet in letzter Zeit, aber natürlich muss auch Hollywood – wer, wenn nicht Hollywood? – seinen Senf zur #metoo-Debatte beitragen. Viel zu lange hat man die Achseln gezuckt (wenn etwa Marilyn Monroe seligen Angedenkens deutlich schilderte, wie viel Zeit sie eindeutig beschäftigt unter den Schreibtischen von Produzenten verbracht hat…)

Dieser Film hat einen wahren Hintergrund: Es ist die Geschichte von Roger Ailes, den ehemaligen CEO von Fox News, dessen Methoden von Frauen im Sommer 2016 vor Gericht gebracht wurden – mit der einzigen Folge, dass er Fox News mit einer Millionenabfindung von Rupert Murdoch verließ…

Ausstellungen/ Kunst: Ai Weiwei gibt es jetzt im Baumarkt
Hornbach bietet ein Werk des Künstlers zum Selbstbauen. Offenbar mag er Baumärkte ausgesprochen gern.
https://www.diepresse.com/5767235/ai-weiwei-gibt-es-jetzt-im-baumarkt

Oscars: Auch Kühe sind Menschen – oder so
Ja, also. Oscars waren wieder. Für viele Menschen bedeutet das weniger die Würdigung von Filmkunst, sondern sie freuen sich, dass sie wieder einmal durch eine lange Bilderstrecke mit lächerlich teuren Roben klicken können und sich als Modeexperten gerieren können. Insofern ein recht schlaues Vorgehen von Schauspielerin Natalie Portman, die ihren gesellschaftspolitischen Kommentar diesmal auf ihrer Bekleidung trug.
Wiener Zeitung

Haben Sie einen schönen Tag!

A.C.

 

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