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11. MÄRZ 2020 – Mittwoch

11.03.2020 | Tageskommentar

Wien: Fidelio-Premiere im Theater an der Wien am kommenden Montag ohne Publikum?  Copyright: Theater an der Wien

Angeblich soll die „Fidelio-Premiere (Inszenierung Christoph Waltz) im Theater an der Wien am kommenden Montag (16.3.)stattfinden – aber praktisch ohne Publikum (100 Besucher sind akzeptiert). Das wäre ein typischer Fall für Streaming oder eine Chance für den ORF – aber sind die Entscheidungsträger auch flexibel genug?

Vorerst bis zum 31. März sind sämtliche Vorstellungen der Wiener Staatsoper abgesagt – und in logischer Konsequenz wohl auch alle anderen Vorstellungen der großen Theater.

Die Theater rufen bereits nach Ausgleich durch einen Katastrophenfonds, die Künstler gingen bei „Höhere Gewalt“ leer aus. Wirklich? Ist es „Höhere Gewalt“, wenn eine Regierung Theaterbesucher aussperrt? Ist es ein „Act of God“, wie im englischen Präzedenzfall Taylor v. Caldwell von 1863 so bezeichnet, wenn eine Regierung etwas verbietet, was durch „Höhere Gewalt“ nicht gefährdet ist. Die Theater stehen ja noch, sind weder überschwemmt noch eingestürzt! Da wird noch gestritten, das ist sicher! Mit einem Spitzenjuristen habe ich mich gestern in der Online-Galerie unterhalten, der meint, dass der Begriff „Höhere Gewalt“ nicht anwendbar ist. Aber Sie wissen ja, zehn Experten ergeben zehn voneinander abweichende Meinungen.

WIENER STAATSOPER: ALLE VORSTELLUNGEN BIS 31. MÄRZ ABGESAGT

Aufgrund der am 10. März 2020 bekanntgewordenen Entscheidung der österreichischen Bundesregierung werden ab dem heutigen Tag sämtliche Vorstellungen und Veranstaltungen der Wiener Staatsoper bis vorläufig Ende März abgesagt.

Alle Kundinnen und Kunden werden nach Möglichkeit in den nächsten Tagen direkt kontaktiert. Einzelkarten für Vorstellungen von 10. bis 31. März 2020 können bis 30. Juni 2020 gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgegeben werden. Abonnement- und ZyklenbesitzerInnen werden gesondert informiert.

Für Fragen wenden sich Besucherinnen und Besucher bitte an die Vorverkaufsstellen der Wiener Staatsoper oder die Bundestheaterkassen  (+43 1 51444-7880).

FRANKFURT: Coronavirus – Vorstellungen finden statt (Vorsicht, das ist der Stand von gestern!)

Die Vorstellungen von Oper und Schauspiel finden bis auf weiteres wie geplant statt.

Die Städtischen Bühnen und die Stadt Frankfurt sind aufgrund ihrer Risikoabschätzung der aktuellen Lage zu diesem Entschluss gekommen. Die Leitung des Hauses steht im ständigen Kontakt mit den zuständigen Behörden und beurteilt die Situation täglich neu.

Es wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um sowohl Zuschauer*innen als auch Mitarbeiter*innen zu schützen und einer Verbreitung von Infektionen vorzubeugen. Alle Kontaktflächen werden im erhöhten Turnus gereinigt, zusätzliche Desinfektionsmittel-Spender wurden installiert. An zahlreichen Stellen – sowohl im Vorderhaus als auch „Backstage“ – wurden gut sichtbar Hinweise auf die Hygieneregeln – z.B. richtiges Händewaschen – angebracht.

Es würde mich aber nicht wundern, wenn die Lage angesichts der Absagen anderswo neu bewertet wird!

Corona-Absagen werden für Künstler und Institutionen zum Geldproblem
Dünner Finanzpolster bei Künstlern, aber auch bei Institutionen könnte rasch zur großen Herausforderung werden.
Kurier

Berlin: Die Vorhänge bleiben unten!
Berlin schließt wegen Corona große Theater und Opern bis 19. April
Berliner Zeitung

Rechtlich interessant: Wegen Corona: Plácido Domingo sagt drei Auftritte an der Staatsoper Hamburg ab
Derin die Schlagzeilen geratene Weltstar Plácido Domingo – er hat 1,2 Millionen „Likes“ auf der sozialen Internetplattform Facebook – hat seine bevorstehenden drei Auftritte an der Staatsoper Hamburg als Simon Boccanegra in Giuseppe Verdis gleichnamiger Oper an diesem Dienstag abgesagt.
Klassik-begeistert

Hat Domingo zu früh abgesagt? Wäre die Vorstellung so und so abgesagt worden, hätte PD in Anlehnung an den „Act of God – 1683 die Chance gehabt, die entfallene Gage einzuklagen. So aber ist er chancenlos!

Coronavirus sorgt für leere Theater und Opernaufführungen vor leeren Rängen
In Deutschland und in Österreich werden Theater und Opernhäuser wegen der Bedrohung durch das Coronavirus geschlossen. Die Bayerische Staatsoper will kreativ mit der Situation umgehen.
Neue Zürcher Zeitung

Die Bayerische Staatsoper will während der Schliessung ausgewählte Stücke trotzdem auf die Bühne bringen – vor leeren Rängen. Zuschauer könnten die Aufführungen live übers Internet verfolgen, sagte ein Sprecher am Dienstag in München. Live-Streams seien unter anderem geplant vom Akademiekonzert am 16. März und von der Premiere des Balletts «Schwanensee». Zudem werde die Oper einzelne Vorstellungen als Video-on-Demand anbieten. Ein entsprechender Online-Spielplan soll in Kürze im Internet veröffentlicht werden…

Krisenmanagement Bayerische Staatsoper: Alle Kunden wenige Stunden nach der Entscheidung der Staatsregierung per Mail informiert, die ersten beiden Streams fixiert, weitere sollen folgen…

Die Kartenrückgabe und Rücküberweisung erfolgt automtisch. Das ist die Bayerische Staatsoper: staatsoper.de

Wien wird in den nächsten Tagen…… einen reitenden Boten schicken?

In München ist man kreativ – das schätze ich. Macht man sich in Wien ähnliche Gedanken?

München: Stimmen zu I MASNADIERI

München/ Bayerische Staatsoper
I Masnadieri /Die Räuber: „Was kümmert’s den Mond, wenn ihn der Mops anbellt!“
von Tim Theo Tinn
https://onlinemerker.com/muenchen-bayerische-staatsoper-i-masnadieri

München
Triller und Tod
Zweifelhaftes Vergnügen: Die Bayerische Staatsoper zeigt eine Neuinzenierung von Giuseppe Verdis Frühwerk „I masnadieri“ nach Schillers „Räubern“.
https://www.sueddeutsche.de/kultur/oper-triller-und-tod-1.4837411

Verdis „I masnadieri“ mit Diana Damrau im Nationaltheater
Münchner Abendzeitung

Familienporträt in Schwarz-Weiß: Verdis I masnadieri an der Bayerischen Staatsoper
bachtrack

INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

Michael Volle und Familie negativ getestet, die Kinder sind in der Schule und er startet wieder durch (die Frage ist allerdings, wo das derzeit wegen Corona möglich ist)

 

Anna Netrebko postete ihm “ yes and I will Kill you 5 times“
Hoffentlich sind die 5 MET Tosca s dann nicht wegen Corona abgesagt?

ZU INSTAGRAM

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Der MET Chefdirigent feierte Geburtstag, Orchester und di Donato + Beczala gratulierten

 

ZUM VIDEO

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Anita Rachvelishvili:  Restliche Carmen Vorstellungen in Berlin abgesagt, auch dort Covid19

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DAS MERKER-HEFT MÄRZ 2020 GELANGT ZUM VERSAND

 

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Filme der Woche:

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Man kann davon ausgehen, dass Literaturfreunde „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse kennen, und je jünger sie bei der Lektüre waren, umso ergriffener mögen sie gewesen sein. Aber auch aus kritischer Distanz betrachtet, hat man es mit einem großen, großartigen Werk zu tun, das Lebensentwürfe und Gefühlsströme auf höchstem Niveau entfaltet.

Dass es äußerlich eine Historiengeschichte aus dem Mittelalter ist, mag eine Verfilmung erschweren, kann doch der Bilderbogen möglicherweise die Aussage ersticken. Und man muss so sehr begreifen, wie Narziß, der durch und durch geistige, vergeistigte Mensch, der es schließlich zum Abt seines Klosters bringt, und Goldmund, der ins Leben ausbricht, um Menschen zu begegnen, Frauen zu lieben und Künstler zu werden, quasi „komplementär“ zusammen gehören, dass ihre Liebe zu einander die entscheidende Kraft ist, die sie beide innerlich zusammen hält. Es ist, natürlich, auch eine esoterische Geschichte, die sich über die Erdenschwere hinaus schwingt.

Regisseur Stefan Ruzowitzky erzählt erst einmal die äußere Geschichte, und er hat sich entschieden, das nicht „kritisch“ (wie heutzutage üblich), sondern mit allem Respekt zu tun. Nur selten schweift das Geschehen in „irrealen“ Bildern über die fassbare Handlung hinweg. Dass man ihm vorwerfen könnte, seine Geschichte sei „zu schön“ dargestellt in einer grausamen Zeit, wäre ein Einwand, der Hesses Intentionen missverstände. Der wollte keinen akribischen historischen Roman bieten, sondern die Geschichte zweier Männer, die er unsterblich gemacht hat. Wer Ruzowitzkys Film sieht, bekommt einen sehr guten Eindruck davon, selbst wenn er das Buch nicht kennt…

Coronavirus: 100-Personengrenze gilt auch für Lokale
193 Fälle in Österreich infiziert – Schulschließungen werden vorbereitet, Outdoor-Veranstaltungen über  500 Besuchern untersagt
Der Standard

Es stehen Existenzen auf dem Spiel, als ehemaliger Kaufmann geht mir das besonders nahe. Unser Staatsoper -Noch-Direktor urgiert bereits eine finanzielle Hilfe und wird sie voraussichtlich bekommen (für mich nicht ganz einsichtig), die Wirte schauen durch die Finger!

Arg trifft es auch den Fußballverein LASK . Die Linzer haben am Donnerstag ihr „Jahrhundertspiel“ gegen den Giganten Manchester United – und müssen vor 500 Besuchern spielen. Entschädigung? Nicht vorgesehen, da würde sich die Konkurrenz berechtigterweise aufregen (Fußball-Proficlubs werden nicht direkt subventioniert). Der Schaden ist enorm!

Der Schaden für die Wirtschaft ist ebenfalls gigantisch und trifft uns alle! Angeblich darf man sich jetzt bereits vom Arzt telefonisch wegen Grippe für eine Woche krankschreiben lassen! Irrsinn, da bin ich wirklich froh, aus dem Unternehmer-Geschäft zu sein. Ich würde im Kreis gehen!

Gespannt bin ich, wie sich die Regierung  im April aus dieser Situation befreien wird – wenn man die Schäden merkt und unter Druck gerät. Werden dann die Erkrankungsfälle rapid abgenommen haben und Kanzler und Co. als Bezwinger des Virus dastehen? Viel weniger Erkrankungen als derzeit geht wohl nicht, also muss eine andere Rechenart bzw. müssen neue Bewertungskriterien her!  In jedem Fall wird man sich etwas einfallen lassen!

Einen schönen und gesunden Tag wünscht

A.C.

 

 

 

 

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