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10. SEPTEMBER 2019 – Dienstag

10.09.2019 | Tageskommentar

Berlin/ Deutsche Oper: „La Forza del Destino“. Langeweile oder Skandal? Was nun? Beides passt nicht zusammen!. Foto: Thomas Aurin/ Deutsche Oper

Die Deutsche Oper hat ein „Skandälchen“ geschaffen, nach all dem, was ich da lese, bestand der „Skandal“ in einem Disput zwischen Premierenbesuchern während laufender Vorstellung. Sind die Rezensenten sicher, dass dieser Disput nicht gelenkt war? Das Publikum ist heute bereits so erzogen, dass es alles hinzunehmen bereit ist und sogar noch mit Beifall bedankt.  Widerspruch ist nicht gefragt, gilt sozusagen als „unerwünschte Meinung. Wenn also auch nur ein einziger der echten oder auch als Provokateure eingeschleusten Besucher seine Stimme erhebt, wird er von „Fortschrittlichen“ niedergemacht und Frank Castorf hat das, wonach ihm dürstet – einen „Skandal“.

Den Bericht von Dr. Ingobert Waltenberger haben wir bereits wenige Stunden nach Fallen des Vorhangs veröffentlich. Zum Premierenbericht Waltenberger

Einen halben Tag später zug Ursula Wiegand nach und schrieb vom Versuch der „Verhunzung“ eines Meisterwerks:

Bei seiner ersten Opernregie in Berlin fehlt es erstaunlicherweise an der Personenführung, die von einem Theatermann zu erwarten ist. Nicht selten müssen vor allem Markus Brück und Russell Thomas weit hinten auf der überfüllten – eher vollgemüllten – Bühne (eingerichtet von Aleksandar Denic) singen. Stattdessen bietet Castorf quasi eine Leichtversion der „Met im Kino“. Die Gesichter der Sängerinnen und Sänger sind bis in die kleinsten Poren oder Bartstoppeln in groß auf den Bildschirmen zu sehen (Video-Design und Live-Kamera: Maryvonne Riedelsheimer, Andreas Deinert und Kathrin Krottenthaler).

Das ist gar nicht mal so schlecht, wird ja auch bei Openair-Konzerten ähnlich praktiziert, doch die pausenlos laufenden Videos mit nicht selten bluttriefenden Szenen nerven allmählich und lenken wohl absichtlich von der Oper ab. So wenn anfangs Leonoras rachsüchtiger Bruder im Hintergrund einer Kneipe wie im Krimi auf der Suche nach seiner Schwester umherstreift und alle rüde würgt.

Genau genommen inszeniert Castorf  halt Castorf und sonst fast gar nichts…

Zum Premierenbericht von Ursula Wiegand

Einige Berichte aus den Zeitungen:

Buhs und Brüllduelle bei Castorfs „Forza“
Frank Castorf inszeniert an der Deutschen Oper Giuseppe Verdis „Die Macht des Schicksals“. Am Ende gibt es einen veritablen Skandal.
https://www.morgenpost.de
Buhrufe und Spott für Castorfs Premiere
Frank Castorf inszeniert Verdis „La forza del destino“ an der Deutschen Oper. Er will den Rassismus des Stücks zeigen. Doch dieser blitzt im Publikum auf.
Tagesspiegel
Castorf inszeniert Verdi: „Die Macht des Schicksals“ in der Deutschen Oper
Berliner Zeitung
Zuschauer-Tumult um Castorfs „Macht des Schicksals“ in Berlin
Minutenlang ging es hoch her in der Deutschen Oper Berlin: Zuschauer protestierten lautstark gegen Frank Castorfs Verdi-Inszenierung. Grund für die Aufregung: Sprechtexte von Curzio Malaparte und Heiner Müller. Der Regisseur gab sich gewohnt lässig.
BR-Klassik.de
Trillerpfeifen gegen Castorf
Einem Teil des Publikums gefiel Frank Castorfs „Macht des Schicksals“-Deutung überhaupt nicht. Die Missfallenskundgebungen bei der Premiere am 8. September fielen denn auch entsprechend lautstark aus. Allerdings hatte der Regisseur in seiner Neuinszenierung an der Deutschen Oper Berlin auch wenig Innovatives zu bieten, verließ sich stattdessen auf die immer gleichen Stilmittel, die man von ihm kennt.
BR-Klassik
Volksbühne goes West: Frank Castorf fremdelt mit Verdis „Forza del Destino“an der Deutschen Oper Berlin
Frank Castorf inszeniert an der Deutschen Oper Giuseppe Verdis „Die Macht des Schicksals“. Er verlegt die Handlung in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Es ist ein kein Ende nehmen wollender, zäher und freudloser Abend!
Peter Sommeregger berichtet aus der Deutschen Oper Berlin….
Klassik-begeistert

Berlin/ Staatsoper
Hojotoho! Der Ring des Nibelungen an der Staatsoper Berlin mit Volle, Kampe, Theorin
Sehr gute Sänger und ein Wagnerdirigent von hohen Gnaden machen die ersten beiden Teile von Wagners Ring des Nibelungen an der Staatsoper Unter den Linden zu einem Erlebnis. Nur die hasenfüßige, fade Regie von Guy Cassiers dämpft die Freude etwas.
Konzertkritikopernkritikberlin

WIENER STAATSOPER am 9.9. 2018– DON CARLO: eine Rehabilitation

Mit Verdi, aus dem Graben lieblos interpretiert, von Sängern getragen, größtenteils entweder gänzlich überfordert oder bestenfalls als Kompromiss akzeptabel: solche reichlich unbefriedigenden Eindrücke von der ersten Reprise nach der Premiere von „Otello“ hatte der Rezensent aus Österreichs erstem Haus in die Sommerpause mitgenommen. Nun galt es, sich in der ersten Wieder-Begegnung in der neuen Saison, wieder mit Verdi, sozusagen zu rehabilitieren, was dem Institut an diesem, einem „gewöhnlichen“ Repertoire-Abend (fast) ohne Einschränkung gelungen ist…

Simon Keenlyside (Posa), Rene Pape (Philipp II.). Foto: Michael Pöhn/ Wiener Staatsoper

...Als das Geschehen mit diplomatischem Geschick vorantreibender Rodrigo war Simon Keenlyside zu erleben, von dem man zunächst den Eindruck hatte, dass ihm die Vorlagen des Dirigenten nicht sonderlich entgegen kamen, an einigen exponierten Stellen stieß er anscheinend auch an die oberen Schranken seiner Möglichkeiten. Davon abgesehen gestaltete er einenkraftvoll-virilen Granden, dem man gern abnehmen wollte, dass er das Vertrauen der verschiedenen Mitglieder der königlichen Familie auf sich zieht. Kraftvoll auch seine Sterbeszene, seiner Interpretation von „Per megiunto“ und „Iomorro“ war deutlich anzuhören, dass hier ein Großer zu Tode gebracht wird, der in die Mühlen rivalisierender politischer Interessen geraten ist…

Zum Bericht von Valentino Hribernig-Körber

Les Contes d’Hoffmann kommt zum Offenbach-Jahr mit neuer Besetzung an die Wiener Staatsoper zurück
bachtrack

Wien/ Staatsoper
Jonathan Darlington dirigiert mit Don Carlo ein Verdi-Fest an der Wiener Staatsoper
bachtrack

Wiener Staatsoper: IMPRESSIONEN ZUR SPIELZEIT 2018 / 2019
Fotografiert von Michael Pöhn und Ashley Taylor

 

Eine schöne, elegante, elegische Anna Netrebko als Maddalena in Gioardanos „Andrea Chenier“ ziert den Titel des Staatsopern-„Rückblick“-Almanachs, den das Haus seit der Direktion von Dominique Meyer alljährlich zum Saisonbeginn herausgibt: Voluminöse Rückschau auf so gut wie alle Vorstellungen und Besetzungsvarianten.

Das Format hat sich bewährt: so quadratisch wie dick ausgefallen – es ist schließlich viel zu berichten. Auch inhaltlich bleibt man sich gleich: keine Kommentare, nur Fakten, Fakten, Fakten in Gestalt der Programmzettel und Fotos, die Michael Pöhn scheinbar so gut wie allabendlich erstellt, wenn es um Oper geht. Im Ballettgenre ist Ashley Taylor ähnlich fleißig, hier ist auch die Kunstfertigkeit zu bewundern, Tänzer in extremen Positionen (und gar in der Luft schwebend) zu „erwischen“…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

NÄCHSTES KÜNSTLERGESPRÄCH BEIM ONLINE-MERKER! WIR STELLEN VOR: WIENS NEUE „SALOME“ AUSRINE STUNDYTE (23.9. um 19 h)

Künstlergespräch am Montag, 23. September um 19 h.

Ausrine Stundyte. Foto: Pascal Victor/ArtComPress

Salome an der Wiener Staatsoper: 27.9., 1. und 4.10.)

Bitte merken Sie den Termin (23.9. 19 h) bei uns in Meidling vor. Diese Künstlergespräche verlaufen in ganz lockerer Stimmung bei freiem Eintritt – für Getränke sorgt das Haus!

Frankfurt: „Otello“ von Rossini  –  Premiere am 08.09.2019

In Koproduktion mit dem Theater an der Wien hatte nun die Inszenierung von Damiano Michieletto aus der Spielzeit 2015/16 ihre Übernahme-Premiere an der Oper Frankfurt und bescherte zugleich dessen Publikum die EA des „Otello“ von Gioacchino Rossini. Das Libretto Francesco Maria Berios unterscheidet sich inhaltlich mit Abstrichen zur oft gespielten und altbekannten Boito-Verdi-Version…

Enea Scala, Nino Machaidze. Foto: Barbara Aumüller/ Oper Frankfurt

Das Premieren-Publikum zeigte sich bar dieser hervorragenden Präsentation bereits mit Szenenapplaus spendabel, feierte allerdings alle musikalischen Beteiligten incl. Produktionsteam nicht mit der sonst üblichen Euphorie.

Zum Premierenbericht von Gerhard Hoffmann

Frankfurt: Desdemona und die drei Tenöre
Rossinis „Otello“
Frankfurter Rundschau

SAARBRÜCKEN/ Saarländisches Staatstheater: LE NOZZE DI FIGARO. Premiere am 8.9.

Valda Wilson (Il Contessa d´Almaviva), Hiroshi Matsui (Bartolo), Judith Braun (Marcellina) | Foto: Martin Kaufhold

Damian Kern besuchte diese Premiere: Mit viel Schwung und kluger Hand führt EVA- MARIA HÖCKMAYR Regie. Sie gewichtet manche Beziehungen erfrischend anders, lässt die Damen durchwegs aktiv bleiben und die Herren reagieren. Ungewöhnliche Anwesenheiten anderer Figuren in Einzelszenen bringen Spannungen und stellen Fragen. Auch ästhetisch ist die Produktion äußerst animierend…

…Die Krone gebührt dabei der Susanna, die von MARIE SMOLKA hinreißend interpretiert wird. Sie ist Dreh- und Angelpunkt, stimmlich äußerst delikat in perfektem Mozartklang und darstellerisch vielfarbig, alle Fäden in den Händen haltend.

Zu ihr passt vokal und szenisch ideal die Contessa von VALDA WILSON. Ebenfalls jung, attraktiv und mit großer Stimmkultur hat sie den Mut zu innigen, berührenden Piani in der großen Arie. So wird das kurze Brief- Duettino dieser beiden zum sinnlich- glühenden Höhepunkt der Aufführung…

Zum Premierenbericht von Damian Kern

Den Conte Almaviva hat unser Rezensent namentlich nicht erwähnt – weil er meint, dass dies für den Sänger besser ist. Nun, ein Geheimnis erweckt natürlich meine Neugierde. Also habe ich recherchiert und bin dabei auch auf die Begründung für diese Besetzung gestoßen. Aber lassen wir das!

GÖTZ FRIEDRICH-PREIS 2019

Den Götz-Friedrich-Preis 2019 erhält die Schweizer Regisseurin Nina Russi für ihren Bernstein-Abend „Trouble in Tahiti“ / „A Quiet Place“ am Theater Aachen. Der Götz-Friedrich-Preis ist mit 7500 Euro dotiert. Nina Russi, 35, hat während ihrer Zeit als Spielleiterin am Opernhaus Zürich mehrere Inszenierungen erstellt, unter anderem die Uraufführungen „Der Traum von Dir“ auf der Studiobühne des Opernhauses vom Schweizer Komponisten Xavier Dayer sowie für die Theater Bern und Winterthur die Familienoper „Reise nach Tripiti“. Am 16. 11. 2019 folgt am Opernhaus Zürich „Coraline“ von Mark-Anthony Turnage. (www.ninarussi.ch)

FESTIVAL DE LA CHAISE DIEU in La Chaise-Dieu, Brioude und Ambert

Hand aufs Herz: wenn Sie von der Existenz eines Ortes namens LA CHAISE DIEU (Der Sessel Gottes) erführen, würden Sie dann nicht auch sofort hinfahren wollen, allein schon des Namens wegen ? Und wenn man dann noch mitgeteilt bekommt, dass dort seit 53 Jahren ein renommiertes Klassikmusikfestival stattfindet, gibt es sowieso kein Zurück mehr. Da muss man unbedingt hin…

Gesagt, getan.

Die Abtei von La Chaise Dieu. Foto: Quitta

Naturgemäß steht der Sessel Gottes aber nicht irgendwo gleich um die Ecke in der Ebene herum. Nein, da muss man schon eine längere und beschwerliche Pilgerfahrt in Kauf nehmen. Also zuerst (am besten mit dem Flieger) nach Lyon, dann mit dem TGV nach St.-Etienne. Umsteigen in den Lokalzug, wenn er verkehrt. Ansonsten (aufgrund der häufig vorkommenden Steinschläge) mit dem Schienenersatzverkehr nach Le Puy en Velay, wo es die meisten Übernachtungsmöglichkeiten gibt.

Zum Bericht von Dr. Robert Quitta

Filme der Woche:

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Der junge Mann läuft durch den Wald, aber sobald er nach Hause kommt, ist er in der trübseligsten aller Welten. Sein Vater spricht nur das Nötigste mit ihm, er scheint ein Mann, der kaum mehr lebt, gerade noch funktioniert. Jakob, der 17jährige mit dem geschorenen Kopf und dem ausdrucksvollen Gesicht eines jungen Pharao, schweigt meist. Setzt sich abends an den Computer und chattet mit Unbekannt, auch in Richtung Autoerotik. Bekommt an der Seite seines Vaters einen Aushilfsjob in einem Schlachthof – meist Blut wegwaschen. Immer wieder schneidet Regisseur Gregor Schmidinger die Szenen dieser ultimativen Trostlosigkeit nacheinander. Man fühlt sich klaustrophobisch, wenn man nur zusieht.

Dann bricht Jakob zusammen. Spital, Untersuchung, nichts Körperliches, was „Psychologisches“. Die Spielchen, mit denen der Psychiater die Angststörung bewältigen will, kommen Jakob (und dem Zuschauer) einfach nur teppert vor, und Jakob sagt es auch. Seine Befreiung bekommt im Computer einen Namen: Kristjan. Der Amerikaner, mit dem er sich in simplem Englisch unterhält. Und den er dann trifft – im Kunsthistorischen Museum, wo Jakob davor nie war.

Nein, es wird kein „Entwicklungsroman“, es geht nicht um Bildung, es geht um Gefühle…

Und doch: Der Film würde stärker unter die Haut gehen, wenn das, was er erzählt, nicht medial bereits zu sehr abgegriffen wäre – die einsame Jugend, Schweigen und Verständnislosigkeit, der Chat, die Homosexualität, der Trip. So wirkt „Nevrland“ letztendlich nur wieder einmal wie ein Aufguß bekannter Themen. Allerdings formal durch die Fähigkeit des Regisseurs bemerkenswert, mit Bildern und Tönen in halluzinatorische Welten mitzunehmen.

Politik:
Zuständigkeiten in nächster EU-Kommission vergeben

Die designierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellt am Dienstag in Brüssel ihr neues Team vor: Zusätzlich zu der bereits bekannten Liste der 27 Kommissionsmitglieder werden die Zuständigkeiten in der mächtigen EU-Behörde vergeben. Der bisherige österreichische EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn war zuletzt für die Agenden Budget und Migration im Gespräch.
Salzburger Nachrichten

GB-Brexit: Johnson will Neuwahl durchdrücken
Die Welt.de

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Geht es nach unserer natürlich völlig objektiven Qualitätspresse (einschließlich natürlich ORF), dann ist Boris Johnson der unbeliebteste Mann im Königreich. Warum will er dann Neuwahlen? Liest er die österreichischen und deutschen Zeitungen nicht? Oder geht ihm deren Meinungen irgendwo vorbei!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

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