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10. JÄNNER 2022 – Montag

10.01.2022 | Tageskommentar

Total verrückte Welt – oder haben wir tatsächlich keine anderen Sorgen?

Ein Gericht in Melbourne ist heute wohl zentraler Schauplatz weltweiten Interesses. Selbst die seriösesten Zeitungen weltweit berichten im Live-Ticker, ob der serbische Tennisstar Novak Djokovic bei den Australien Open das kleine Ballerl über das Netz donnern darf. Diplomatische Verwirrungen, selbst Jesus muss als Vergleich herhalten, die Welt hält scheinbar den Atem an. Soll man das nun als gutes Zeichen werten?  Bleiben Sie im wahrsten Sinn des Wortes am Ball – oder kümmern Sie sich um ihrere eigenen Sorgen!

Neueste Info: Angeblich soll sich Djokovic vor Gericht durchgesetzt haben und darf seinen Titel verteidigen!

Noch ärger, fast schon operettig geht es bei uns in Österreich zu. Da schafft es ein gewisser Florian Klenk, seines Zeichens Chefredakteur des auflagenschwachen „Falter“, ungewollt auf die Titelseiten der Konkurrenz, weil er in einem ÖBB-Zugabteil mit heruntergelassener Maske fotografiert wurde. Das wäre wohl nicht weiter erwähnenswert, hätte Herr Klenk nicht vor kurzem seine Bestürzung und wohl auch Verachtung über Mitreisende ausgedrückt, weil diese ebenfalls die Maske runtergelassen hatten. Aus dieser Bestürzung heraus hat er sich damals in das Waggon-WC-eingeschlossen und dieses dadurch längere Zeit blockiert. Sehr rücksichtsvoll!

Unsere Sorgen: wohl „Licht am Ende des Tunnels“!

Apropos Sorgen: Die Wiener Staatsoper ist es gewohnt, „auszuverkaufen“ . Nun, in diesen Zeiten gelingt das nicht (die Mailänder Scala war beim gestrigen Meier-Abschiedsabend nah an diesem Ziel) und heute gibt es für Die Cenerentola trotz Erwin Schrott noch völlig problemlos Karten. Dies deswegen, weil die Probleme anderweitig gelagert sind

 

Isabel Signoret, Anna Goryachova, Maria Nazarova. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Erfreulich: Maria Nazarova ist nach ihrer Babypause wieder dabei!

Dirigent: Giacomo Sagripanti

Lawrence Brownlee (Don Ramiro)
Vito Priante (Dandini)
Paolo Bordogna (Don Magnifico)
Anna Goryachova (Angelina)
Erwin Schrott (Alidoro)
Maria Nazarova (Clorinda)
Isabel Signoret (Tisbe)
Chor der Wiener Staatsoper

Lawrence Brownlee, Erwin Schrott, Vito Priante. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Erwin Schrott sollte für einen Kartenschub sorgen

Karten für „Cenerentola“ heute

Linz/ Landestheater
Figaro-Premiere im Musiktheater
Mozarts „Le nozze di Figaro“ (Die Hochzeit des Figaro) feiert am Samstag, 15. Jänner, 18.30 Uhr, im Musiktheater Linz Premiere. Turbulent geht es zu in diesem Spiel um das Recht der ersten Nacht, geheime und weniger geheime Sehnsüchte und Verhältnisse. Das ganze Vokabular der Komödie mit cleveren Täuschungen, Verabredungen, gefälschten Briefen und den Schatten vergangener Leidenschaften wird mobilisiert.
https://www.tips.at/nachrichten/linz/kultur/555147-figaro-premiere-im-musiktheater

Berlin/ Philharmonie
Als Verdi die Lust an der Oper verlor
Daniel Barenboim dirigiert bei den Philharmonikern Werke des Italieners, die zunächst gar nicht für die Veröffentlichung gedacht waren.
Berliner Morgenpost

Daniel Barenboim dirigiert Verdi
Daniel Barenboim hat schon umjubelte Aufführungen großer Verdi-Opern dirigiert. In seinem Konzert mit den Berliner Philharmonikern stellt er nun Werke des Komponisten vor, die zunächst nicht zur Veröffentlichung vorgesehen waren. Kein Zweifel, dass Barenboim, der im November 80 wird, so etwas wie einen „Alterschub“ hat. So fahl und spitzäugig wie vor den TV-Kameras beim Wiener Neujahrskonzert sah er aber jetzt, bei Berliner Normalbeleuchtung, nicht aus.
rbb-online.de

Prag
Mozart an der Moldau: Vom Himmel regnet’s Seifenblasen – Eine poetische „Così fan tutte“

Opera NT | Così fan tutte: Ferrando (Petr Nekoranec), Fiordiligi (Kateřina Kněžíková), Don Alfonso (Jiří Hájek), Dorabella (Arnheiður Eiríksdóttir), Guglielmo (Lukáš Bařák) – photo: Zdeněk Sokol
NeueMusikzeitung/nmz.de

Halle
Richard Wagners „Tristan und Isolde“ im Opernhaus Halle wird zur umjubelten Sensation

Foto: Oper Halle ( Falk Wenzel)

Die Isolde der Magdalena Anna Hofmann als Gast in der Premiere an der Oper Halle war fantastisch! Eine Sensation!
Das Publikum tobte am Ende mit Recht vor Begeisterung und ohne Einschränkungen.
Von Dr. Guido Müller
Klassik-begeistert.de

Gioacchino Rossini: Le Comte Ory • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 07.01.2022

«Dieu est amour»

Moshe Leisers und Patrice Cauriers sanfte Modernisierung des Grafen Ory funktioniert auch 10 Jahre nach der Premiere noch tadellos. Sie bleibt auch in neuer Besetzung ein grosses Vergnügen.

Foto © Toni Suter

Die Inszenierung von «Le Comte Ory» von Moshe Leiser und Patrice Caurier ist eines der Prunkstücke der Intendanz Pereira und wurde auch in der Intendanz Homoki schon verschiedentlich gespielt. Nun muss sich das Publikum umgewöhnen, denn die Rolle der Comtesse Adèle ist nicht mehr mit einem Koloratur-Mezzosopran mit einem Stimmumfang von über zweieinhalb Oktaven, sondern mit einem Koloratur-Sopran besetzt. Brenda Rae überzeugt als Adèle…

Zum Bericht von Jan Krobot

Paul Abraham: Märchen im Grand-Hotel • Gastspiel des Theaters Pforzheim im Stadttheater Schaffhausen

„… was Pikantes und doch nicht zu Riskantes, was Keckes, was Erotisches, was Spannendes, Exotisches, Apartes, ganz Spezielles, kurz: was Sensationelles“

Seit einigen Jahren erlebt der Komponist Paul Abraham erfreulicherweise eine Renaissance und wird wieder vermehrt aufgeführt. Vorreiterin war Barrie Koskys Komische Oper in Berlin, verschiedene Theater, so nun auch Pforzheim, sind gefolgt.

Foto: © www.theater-pforzheim.de

Zum Bericht von Jan Krobot

Poster für Mörbisch 2022 gibt es schon!

 

TTT: Vinylschätze 1 – Tempi passati –  „Zum Wohlgefallen“ (innere Freude und Befriedigung)

Uneingeschränkt gibt es das im Theater  nicht mehr!

nach 67 Jahren:  Forza del destino, Verdi,  1955, Studioaufnahme

 

https://www.youtube.com/watch?v=lrAo_pl7_c8                                    
 https://www.youtube.com/watch?v=SU5Fa34TUU8

Neue Doku über Muhammad Ali: „… und schön wie ein Mädchen“
Die vierteilige Doku-Serie von Ken Burns auf Arte liefert ein detailreiches, vielschichtiges Porträt des provokanten Ausnahmeboxers.

Am 17. Jänner 2022 hätte Muhammad Ali, geboren als Cassius Marcellus Clay, seinen 80. Geburtstag gefeiert. Doch bereits am 3. Juni 2016 ist der Ausnahmeboxer an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung gestorben. Bis heute gilt er für viele als der größte Kämpfer aller Zeiten.

Warum dem so ist – dieser Frage geht der amerikanische Star-Dokumentarist Ken Burns in seiner vierteiligen Doku „Muhammad Ali“ (Dienstag, 20.15 Uhr und 22.30 Uhr, Mittwoch, 20.15 Uhr und 22.10 Uhr auf Arte) in aller Ausführlichkeit nach

Kurier.at

Foto: Arte TV

Ich erinnere mich daran, wie wir (die männlichen Mitglieder meiner Familie, manchmal aber auch die weiblichen) dem Wecker auf 2 h früh gestellt haben – um Muhammad Ali zu sehen. Der Mann war ein Ästhet, auf den ersten Blick arrogant bis zum „Geht nicht mehr“. Er hatte so ein gutes Auge und überdurchnittliches Reaktionsvermögen, dass er ohne erkennbare Deckung mit herunterhängenden Armen die Gegner zum Angriff geradezu eingeladen und damit provoziert hat, blitzschnell aber seinerseits einen Angriff starten konnte. Bis heute ist er unerreicht, er war ein Boxer von einem anderen Planeten!

Seitdem hat Boxen viel vom Glanz verloren. Wissen Sie, wer der aktuelle Boxweltmeister im Schwergewicht ist? Ich musste googeln. Es ist ein gewisser Alexander Usyk aus der Ukraine, in der breiten Öffentlichkeit unbekannt. Für ihn hoffe ich, dass er zumindest in seinem nächsten Umfeld bekannt ist – sonst wird er womöglich gar nicht in die eigene Wohnung eingelassen!

Google-Nachweis: Der 34-jährige Usyk besiegte in der Nacht auf den 26. September in England den Briten Anthony Joshua und holte die Gürtel der Verbände WBA, WBO, IBF und IBO

Aktuelles aus der „Neuen Zürcher Zeitung“

  • US-Aussenminister Antony Blinken ruft Russland zur Deeskalation in der Ukraine-Krise auf: Vor den heute beginnenden Verhandlungen in Genf und Brüssel sagte er, es sei schwierig, in einer Atmosphäre der Eskalation und mit einer Pistole am Kopf der Ukraine Fortschritte zu erzielen. Russland wies dies zurück. Vizeaussenminister Sergei Rjabkow forderte die Nato auf, einzusehen, dass sich die Zeiten geändert hätten. Er gehe nicht optimistisch in die Gespräche.
    Zu den neusten Entwicklungen
  • Die EU-Kommission wartet auf ein Zeichen von der Schweiz: Noch im Januar erwartet die EU von Bern einen politischen Fahrplan. Es geht um Bekenntnisse zu Rechtsübernahme, Streitbeilegung, Staatsbeihilfe und Kohäsionsbeiträgen. Doch der Bundesrat zögert. Dabei hat er bereits einen möglichen Weg skizziert, damit die Schweiz den bilateralen Weg nicht vorschnell verlässt.
    Zum Bericht
  • Bei bewaffneten Überfallen in Nigeria werden mehr als 200 Menschen getötet: Nach den Angriffen auf mehrere Dörfer im Norden des Landes sind mehr als 10 000 Menschen obdachlos, weil ihre Häuser in Brand gesteckt wurden. Zunächst blieb unklar, ob die Angreifer Angehörige der islamischen Terrormiliz Boko Haram oder kriminelle Banden waren.
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  • In Brasilien stürzt eine Felswand auf Touristenboote: Die spektakulären Schluchten des Furnas-Stausees in dem Gliedstaat Minas Gerais sind ein beliebtes Ausflugsziel. Doch nun löste sich dort ein grosser Teil eines Felsens, mindestens zehn Touristen starben.
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  • Die politische Krise in Tunesien spitzt sich zu: Zunehmend geraten Kritiker von Präsident Kais Saied ins Visier der Justiz. Vorläufiger Höhepunkt dieses Machtkampfes sind die Verhaftung eines ehemaligen Ministers und Ermittlungen gegen 19 Spitzenpolitiker.
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  • Turkmenistan will das «Tor zur Hölle» nach über 50 Jahren verschliessen: Der 69 Meter breite Gaskrater von Derweze brennt seit einem halben Jahrhundert. Jetzt soll mit der Touristenattraktion aber Schluss sein. Aus dem Krater strömt Methangas, ein wertvoller Rohstoff für das arme Land.
    Zum Bericht

Heute im ORF-Kulturmontag

Zwischen Habsburgs Fräuleinwunder und Meeses Kampflolita – Quo vadis Volkstheater?

Nach umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten erstrahlt das Wiener Volkstheater in neuem Glanz. Die Neuproduktionen unter der Leitung des neuen Direktors Kay Voges hatten jedoch aufgrund der Corona-Pandemie und der landesweiten Schließungen bis dato gerade einmal einen Sternschnuppeneffekt. Das Ende des vierten Lockdowns hatte der gebürtige Düsseldorfer, der das Haus seit der Saison 2020/21 leitet, zur Vorsicht gleich in den Jänner verlegt. Sein Programm versteht Voges als diskursive wie partizipative Reise durch gegenwärtige und neu gelesene Dramatik, als Grenzgang zwischen darstellender und bildender Kunst sowie als Entdeckungsfahrt durch musikalische und choreografische Produktionen. Es reicht von der österreichischen Erstaufführung von Wolfram Lotz’ „Die Politiker“, die Voges selbst inszenierte, über „Kampf-L.O.L.I.T.A“ von Deutschlands Enfant terrible Nummer 1, Jonathan Meese, und Rainald Grebes Theatercollage „Ach, Sisi“ bis zu Arbeiten von Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek oder Lydia Haider. Doch das Wiener Volkstheater leidet unter Publikumsmangel und tendenziell schlechten Kritiken. Die ersten 100 Tage der ersten vollen Saison brachten dem Haus lediglich eine ernüchternde Auslastung von 45,55 Prozent, die die Alarmglocken schrillen lassen. Der „kulturMontag“ bringt eine Bestandsaufnahme. Kay Voges ist live zu Gast.

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.

 

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