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10. JÄNNER 2020 – Freitag

10.01.2020 | Tageskommentar

Wiener Staatsoper musste den Schwan nach Klaus-Florian Vogt aussenden – und der sang gestern tatsächlich an Stelle von Piotr Beczala. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Supergau an der Wiener Staatsoper: Beczala sagt in den Morgenstunden des Vorstellungstages den Lohengrin ab, die Stimme verweigert für diesen (hoffentlich einzigen Abend der Serie) den Dienst. Hausbesetzung? Oder nach Klaus Florian Vogt Ausschau halten? Man entschloss sich für die Vogt-Lösung und kam so standesgemäß über die Runden:

Heinrich Schramm-Schiessl waltete des Merker-Amtes: Er ist heute sicher der meistgefragte Interpret dieser Partie, und man muss ihm auch zugestehen, dass er sie sehr gut singt, alle Höhen und sonstigen schwierigen Passagen meistert und auch von der Gestaltung her zufrieden stellt. Er hat allerdings auch ein sehr helles, offenes und manchmal ein bißchen trompetenhaftes Timbre, was zumindest für mich seine Leistung zu einer Unvollendeten macht. Seine Elsa war die Hausdebutantin Cornelia Beskow und sie verfügt über einen interessanten, schön klingenden lyrischen Sopran, den sie durchaus gekonnt einsetzt. Allerdings gerät sie in den dramatischen Passagen (noch) etwas an ihre Grenzen. Darstellerisch hat sie mir gut gefallen. Sie stellt nämlich nicht dieses hehre Geschöpf dar, das entweder betrübt oder glücklich ist, sondern ein durchaus resolutes junges Mädchen, das um seine Rechte kämpft und auch trotzig werden kann, wenn sie etwas nicht bekommt, wie z.B. im 3. Aufzug die Erlaubnis von Lohengrin, die bewusste Frage doch zu stellen. Eine erfreuliche Wiederbegegnung gab es mit Egils Silins, der sich in den letzten Jahren rar gemacht hat, als Telramund. Er sang eine sehr eindrucksvolle Klage und war auch im 2. Aufzug sowohl in der Szene mit Ortrud als auch in der Auseinandersetzung mit Lohengrin und dem König sowohl darstellerisch als auch stimmlich mehr als zufriedenstellend. Die Ortrud wurde von Linda Watson mit grosser Stimme gesungen, wobei stellenweise leider ein gewisses Tremolo zu hören war. Allerdings gelangen sowohl die „Entweihten Götter“ als auch der Schluss sehr eindrucksvoll. Ain Anger, mittlerweile auch ein eher seltener Gast, sang den König mit kräftiger Stimme, blieb aber gestalterisch etwas blaß. Boaz Daniel war ein guter Heerrufer.

Leider nicht so zufrieden wie bei seinem „Parsifal“ in der vorigen Saison war ich mit Valery Gergiev am Dirigentenpult und verfestigte sich bei mir der Eindruck, den ich schon nach seinem Bayreuther „Tannhäuser“ gewonnen  habe, nämlich dass seine Stärke eher die großen Musikdramen Wagners sein dürften, während er bei den „romantischen“ Opern etwas Probleme hat. Natürlich gab es wunderbare Stellen, wie das Vorspiel zum 1. Aufzug oder das gut aufgebaute Königsgebet, aber vieles anderes wirkte eher laut und etwas ruppig…

Zum Bericht von Heinrich Schramm-Schiessl

 

Cornelia Beskow (Elsa). Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Manfred A. Schmid berichtet vom „Merker-Hochstand“ auf der Galerie aus: Eine weitgehend noch unbekannte junge Sängerin, Cornelia Beskow, wird für die Partie der Elsa von Brabant aufgeboten. Die mutige Entscheidung des Besetzungsbüros lohnt sich. Die aus Schweden stammende, bisher vor allem an mittleren skandinavischen Häusern – u.a. als Senta und Wellgunde – auftretende Sopranistin erweist sich als vorzügliche Gestalterin. Ihre Elsa ist eine selbstbewusste junge Frau mit eigenem Willen, die aber gegenüber Ortruds gefährlicher Überredungskunst letztlich machtlos ist, nachgibt und Treuebruch begeht. Ihr etwas abgedunkelter Sopran ist fein geführt, das Timbre ansprechend. Zunächst etwas verhalten, wird ihre gesangliche Leistung zunehmend souveräner. Im letzten Akt, in exponierter Lage, zuweilen freilich auch etwas schrill. Jedenfalls ein eindrucksvolles Welt-Debüt. Und die Hoffnung, dass diese fordernde Rolle der Elsa für sie nicht zu früh gekommen ist und Beskow nicht zu den vielen Blütenträumen gehören wird, die nicht reiften…

Viel Beifall und auch Jubel – insbesondere für den Einspringer Vogt, die junge Debütantin Beskow und den Dirigenten Gergiev: Das ist der Lohn für einen anregenden Opernabend.

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Nun, gar so ein unbeschriebenes Blatt ist Cornelia Beskow wiederum nicht und für ihre Ansetzung demnach auch keiner „mutigen Entscheidun, sondern eine richtige Reaktion auf die Entwicklungen am Sängermarkt!

Auch in unserem Forum ist dieser Lohengrin bereits Thema – und damit findet dort nach diversen politischen Absonderungen endlich wieder ein Opernthema Raum. „Pwolf“ schreibt: Ich habe mir die Karte aus Neugier gekauft, weil ich Beczala als Lohengrin hören wollte. Der ist dann ausgefallen und Klaus F. Vogt ist für ihn eingesprungen. War eine ausnehmend gute Vorstellung, insbesondere Gergiev und das Orchester waren für mich unglaublich gut, solche Dirigate sollte es öfter geben. Auch Vogt war top. Die Elsa Debütantin Beskow, die für mich ein völlig unbeschriebenes Blatt darstellte, hat sich im Laufe der Vorstellung ganz gut entwickelt – ab dem 2. Akt war sie in den lyrischen Stellen tadellos, nur wenn sie an den dramatischen Stellen laut wurde war sie etwas zu schrill. (Aber an der Staatsoper das erste Mal auf der Bühne Elsa zu singen in einer Repertoirevorstellung ohne ausreichend Bühnenproben, kann wohl selten perfekt sein, da wird in den Folgevorstellungen wahrscheinlich noch Luft nach oben sein). Der Rest der Besetzung war auch gut.

Wien/ Staatsoper: IL BARBIERE DI SIVIGLIA
Rossinis Eloquenz zeigt auch im Repertoire Wirkung (Bezahlartikel)


Adam Plachetka als „Barbiere“. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Der „Barbier von Sevilla“, frei nach Günther Rennert, zum 433. Mal.
Die Presse

Wien/ Staatsoper: Ballett „Onegin“: Wie schwer es ist, arrogant zu sein
Anhand von John Crankos Tschaikowsky-Ballett demonstriert das Staatsballett am Ring seine Kunst.
Die Presse

CD zum Neujahrskonzert: Ein-Hit-Wunder am strauchelnden Klassikmarkt Bezahlartikel
Jährlich ein Hit: Die CD zum Neujahrskonzert. Dem Klassikmarkt sonst geht es mies.
Kurier

Der „CD-Klassikmarkt“ liegt am Boden, ist aber ein Prestigeprojekt der Firmen – und somit würde ich ihn nicht abschreiben.  Das alljährliche Neujahrskonzert ist immer eine sichere „Bank“. egal, wer es geleitet hat.

Komische Oper Berlin: Wie kann ein Sanierungsdebakel verhindert werden?
Tagesspiegel

Musiktheater „Antigone-Tribunal“ von Leo Dick im „JOiN“ am 8. Januar 2020 im Schauspiel Nord/STUTTGART. Geballte harmonische Kraft

Chor der Bürgerinnen, David Kang, Deborah Saffery. Foto: Martin Sigmund

...Unter der elektrisierenden Leitung von Christopher Schmitz kann sich das Staatsorchester Stuttgart bestens entfalten. Chromatik, Glissandi und Tremolo-Akzente sowie Triller wechseln sich wirkungsvoll ab. Auch der Metronom-Rhythmus ist immer wieder deutlich herauszuhören. Dreimal wird in Slavoy Zizeks 2013 erschienenem Theaterstück „Die drei Leben der Antigone“ Antigones Widerstand gegen jede staatspolitische Vernunft zu einem jeweils anderen Ende geführt. Auf diesem Stück basiert Leo Dicks Musik…

Zum Bericht von Alexander Walther

Opernrarität in Prag: „Lolita“ von Rodion Schtschedrin (Vorstellung: 8. 1. 2020)

Petr Sokolov, Pelageya Kurennaya. Foto: Petr Hornik

Der russische Komponist Rodion Schtschedrin (auch Shchedrin oder Šhedrin geschrieben) wurde 1932 in Moskau geboren und studierte bei Jurij Schaporin und Jakow Flijer. Er begann mit Ballettmusik, die er vornehmlich für seine Gattin Maja Plisetskaja schrieb. Seine bekanntesten Opern sind  Nicht nur Liebe (Moskau 1961), die an Schostakowitschs Oper Nase anknüpfenden Toten Seelen (Moskau 1977) und eben Lolita. Bei den Salzburger Pfingstfestspielen 2012 kam seine Mini-Oper Kleopatra i zmeja mit Mojca Erdmann zur Erstaufführung. Sie hatte der Komponist ursprünglich für Anna Netrebko geschrieben, die damals jedoch wegen Krankheit absagen musste.

Die russische Sopranistin Pelageya Kurennaya war eine zarte und auch verführerisch wirkende Lolita. Gesanglich bestach sie durch eine sichere Höhe, darstellerisch überzeugte sie in jeder Szene. Mit großem Raffinement lockte sie – auf dem Bett liegend –  ihren „Gegenspieler“ Humbert zu sich. Sie kann als Idealbesetzung der Titelrolle angesehen werden…

Zum Bericht von Udo Pacolt

THEATER ERFURT: LOHENGRIN. Premiere am 8. Februar

Regisseur Hans-Joachim Frey siedelt die Handlung des Lohengrin in einer märchenhaften Zukunft an, deren Gesellschaft von Traditionen und religiösen Ritualen geprägt ist. Ausstatter Hartmut Schörghofer ließ sich von Science-Fiction-Epen und Weltraumspektakeln zu futuristisch-fantasievollen Bühnen- und Kostüm-Kompositionen inspirieren. Lohengrin erscheint in diesem Setting als Reisender aus einer noch fremderen Welt, dessen Eingreifen weitreichende Folgen für die handelnden Figuren nach sich zieht. Die letzte Lohengrin-Inszenierung in Erfurt liegt 17 Jahre zurück. Damals war die Wagner Oper noch an der Ersatzspielstätte „Kuppel Theater“ zu erleben. Klaus Florian Voigt debütierte als Lohengrin, heute gilt er weltweit als Idealbesetzung für diese Rolle. Auch für den renommierten Weimarer Tenor Uwe Stickert ist sein Erfurter Lohengrin die erste große Wagner-Partie. Außerdem debütieren unter anderem die Ensemble-Mitglieder Margrethe Fredheim als Elsa und Ks. Máté Sólyom-Nagy als Telramund.

Probenfoto mit Uwe Stickert, Margarethe Fredheim und Regisseur Jans-Joachim Frey. Foto: Lutz Edelhoff

KOMISCHE OPER BERLIN: DIE LETZTE OPERETTE DER WEIMARER REPUBLIK KEHRT ZURÜCK. BARRIE KOSKY INSZENIERT JAROMIR WEINBERGERS „FRÜHLINGSSTÜRME“

Während die Nationalsozialisten mit Fackelzügen durch das Brandenburger Tor marschierten, jüdische Künstler*innen ihre Anstellungen verloren und wenige hundert Meter entfernt der Reichstag brannte, ließ sich das Theaterpublikum im Berliner Admiralspalast Abend für Abend von Jaromír Weinbergers Frühlingsstürmen in ein weit entferntes Fantasie-China forttragen. Im Januar 1933 – zehn Tage vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten – wurde das in China und Italien angesiedelte musikalische Verwirrspiel um Liebe und Politik uraufgeführt, nur zwei Monate später, am 12. März, fiel unter den neuen Machthabern der letzte Vorhang und der Admiralspalast wurde vorerst geschlossen. Die »letzte Operette der Weimarer Republik« geriet in Vergessenheit, ebenso wie ihr Schöpfer, ein in Prag geborener Jude. Nun kehrt sie nach fast 90 Jahren Dornröschenschlaf auf eine Berliner Bühne zurück und bildet den Auftakt zum Weinberger-Schwerpunkt an der Komischen Oper Berlin, der im März mit einer Neuproduktion des vergessenen Welterfolgs Schwanda, der Dudelsackpfeifer und einem Festival fortgesetzt wird.

Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky haucht den Frühlingsstürmen, die die Grenzen der Gattung Operette in vielerlei Hinsicht überschreiten, neues Leben ein.

OPER FRANKFURT: DIE SOPRANISTIN MARIA BENGTSSON BESTREITET VIERTEN LIEDERABEND DER SPIELZEIT 2019/20

Der vierte Liederabend der Spielzeit 2019/20 wird bestritten von der schwedischen Sopranistin Maria Bengtsson am Dienstag, dem 14. Januar 2020, um 19.30 Uhr im Opernhaus.


Maria Bengtsson. Foto: Monika Rittershaus

Die Sängerin ist nach ersten Engagements an der Volksoper Wien und der Komischen Oper Berlin längst auf den bedeutenden Bühnen und in den renommierten Konzerthäusern von München, Wien und Berlin über Paris, London und Mailand zu Hause. In Frankfurt hat sie einige ihrer größten Erfolge gefeiert.

Budapest
José Cura to World Premiere First Opera “Montezuma and the Red Priest – Opera Buffa Ma Non Troppo
https://operawire.com/jose-cura-to-world-premiere-first-opera-montezuma

Lieses Klassikwelt 16: Abschiede
Das vergangene Jahr war geprägt von zahlreichen schmerzlichen Verlusten. Mir kam es so vor, als seien 2019 besonders viele große Künstler gestorben.
Kirsten Liese berichtet aus Berlin
https://klassik-begeistert.de/lieses-klassikwelt-16-klassik-begeistert-de/

Musik: Den Spannungskräften auf der Spur
Wie packt uns ein Konzertstück? Wie schafft es Ruhe? Reinhard Amons „Funktionelle Harmonielehre“ enthüllt Betriebsgeheimnisse der Tonkunst.
Wiener Zeitung

ORF III am Freitag: Vierteiliger Themenabend zum 75. Geburtstag von Peter Patzak

 ORF III Kultur und Information würdigt am Freitag, dem 10. Jänner 2020, Filmemacher, Autor und Maler Peter Patzak, der am 2. Jänner seinen 75. Geburtstag feierte, mit einem vierteiligen Themenabend.

ORF-Special in Spielfilmlänge: „Der Staatsanwalt – Null Toleranz“ am 10. Jänner in ORF 2

Oberstaatsanwalt Bernd Reuther alias Rainer Hunold meldet sich mit sechs neuen Fällen zurück! Fünf neue Folgen des ZDF/ORF-Krimihits stehen ab Freitag, dem 24. Jänner 2020, wöchentlich um 20.15 Uhr auf dem Programm von ORF 2. Den Auftakt macht am Freitag, dem 10. Jänner, das Special „Null Toleranz“ in Spielfilmlänge. „Der Staatsanwalt“ bekommt es dabei mit einem äußerst kniffligen Fall zu tun: Was zunächst wie die Tat eines eifersüchtigen Rivalen anmutet, scheint seine Wurzeln in Wahrheit im organisierten Verbrechen zu haben. An der Seite von Hunold sind weiters Simon Eckert, Fiona Coors, Astrid Posner und Heinrich Schafmeister im Stammensemble. In der neuen Staffel tritt Kommissar Max Fischer, dargestellt von Max Hemmersdorfer, seinen Dienst bei der Kripo in Wiesbaden an (31. Jänner). In Episodenrollen zu sehen sind unter anderen Henny Reents, Arnd Klawitter, Katharina Müller-Elmau, Mira Bartuschek, Dennenesch Zoudé, Isabell Gerschke, Anke Sevenich, Martin Armknecht, Rike Schmid, Martin Lindow und Vanessa Jung.

Film

Los Angeles: Kein Moderator für die Oscars
Weil es vergangenes Jahr so gut funktioniert hat, gibt es bei der Oscar-Gala am 9. Februar keinen Moderator. Ein Komiker wie Ricky Gervais ist der Academy wohl zu unberechenbar.
https://www.diepresse.com/5749193/kein-moderator-fur-die-oscars

GB: Rückzug von Harry und Meghan: Queen angeblich nicht konsultiert
Der Rückzug von Prinz Harry und Herzogin Meghan aus den obersten Rängen der britischen Königsfamilie hat am Mittwoch für einen Knalleffekt gesorgt. Das Paar hatte angekündigt, arbeiten und finanziell unabhängig werden zu wollen. Für Harry und Meghan dürfte das Vorhaben aber noch Nachwehen haben. Laut britischen Medien war die erste Reihe der Royals – inklusive Queen Elizabeth II. – nicht über die Ankündigung informiert.
https://orf.at/stories/3150271/

Diese Enthüllung kostet mich natürlich schlaflose Nächte. Für einen, der in der Thronfolge an völlig unbedeutender Stelle rangiert, setzt sich Prinz Harry mit seiner Angetrauten medial überrragend in Szene!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

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