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10. DEZEMBER 2021 – Freitag

10.12.2021 | Tageskommentar

Freddie de Tommaso und sein London-Abenteuer. 

Freddie de Tommaso ist seit 2020 Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Von den Wiener Opernbesuchern wie auch von der Kritik (auch der Online-Merker-Berichterstatter ) wurde er wohlwollend aufgenommen, von einer Tenorsensation hat aber selbst die hiesige Berichterstattung nicht geschrieben. Nun ist er als Alternativbesetzung neben Bryan Hymel bei der Londoner Tosca-Serie dabei und hatte das Sängerglück, dass er in eine Vorstellung „fliegend“ einspringen durfte/musste, denn er war ja für die Vorstellung am Samstag ohnedies vorgesehen.

Nun, die britische Presse würdigte ihren erst 28jährigen Landsmann mit Hymnen. Ich habe aus den Zeitungen zu übersetzen versucht:

Der britische Tenor Freddie de Tommaso, der als „Gesangsphänomen“ bezeichnet wurde, gab am Mittwochabend sein unerwartetes Debüt am Royal Opera House. Mitten in einer Aufführung von Puccinis Tosca musste sich der Sänger des Mario Cavaradossi (Bryan Hymel) aus gesundheitlichen Gründen verabschieden. De Tommaso, 28, der erst am Samstag die Hauptrolle singen sollte, sprang in letzter Minute ein und brachte allem Anschein nach das Haus zum Einsturz. Seine Leistung, die ihn zum jüngsten Tenor machte, der jemals die Rolle an der Royal-Opera sang, wurde von einem Kritiker der Times als „muss dort“-Moment gefeiert.

Der letzte Engländer, der im Januar 1963 in Tosca in  Covent Garden Cavaradossi sang, war Charles Craig aus Shoreditch im Osten Londons. Fast 60 Jahre später beendet diesen Monat ein Fred aus Tunbridge Wells in Kent eine sehr lange Lücke.

A couple of Cavaradossis, plus a divine diva: Tosca at the Royal Opera House
bachtrack.com

Opera “saved’ by 28-year-old tenor as star performer falls ill during Tosca performance
Freddie De Tommaso steps in as star tenor falls ill during Tosca performance.
https://www.classicfm.com/artists/freddie-de-tommaso/saves-royal-opera

Tosca review — British tenor’s knockout performance saves the day (Subscription required)
thetimes.co.uk

Freddie De Tommaso: the tenor from Kent who sings like Caruso (Subscription required)
thetimes.co.uk

Nun, „zum Einsturz“ (wie in einer Kritik beschrieben) brachte er die Royal Opera zwar nicht, aber zur Maximierung des Bekanntheitsgrades hat diese spektakuläre Aktion sicher beigetragen. Jetzt frage ich mich: Sind wir Wiener vielleicht zu kritisch, dass uns entgangen ist, welches Juwel wir in unserem Ensemble haben? Oder sind wir gar ungerecht? Oder bringen die Briten einem Landsmann mehr Begeisterung entgegen als die Österreicher das tun? Fragen über Fragen. Herrn de Tommaso sollten wir jedoch im Auge behalten.

Zu Freddie deTommaso schreibt uns Franco Bastiano: Ich lebte in den Sechziger Jahren in London, wo ich u.a. auch mit der Oper Covent Garden zu tun hatte. In der Oxford Street fiel ich über einen Plattencover mit dem Gesicht von Charles Craig. Die Platte hieß: Fame in a night. Über Nacht berühmt. Das musste ich sogleich hören. Craig hörte sich in keinem Moment an wie ein Engländer. Er sang große italienische Partien mit solcher Kraft und Italianità, dass einem schwindelig wurde.Vom Alfredo bis zum Otello beherrschte er alles. Ich habe ihn damals sechs Mal gehört.

Nun der Engländer Freddie de Tommaso, der zumindest italienischer Herkunft ist. Eine beispiellos schöne Spinto-Stimme, die alles hat, wonach sich Opernhäuser für diese Stimmlage sehnen. Natürlich muss wieder jemand, auch eine Plattenfirma, mit Caruso winken, aber das ist völlig absurd. Ich besitze alle 258 veröffentlichten Caruso-Aufnahmen in zwei Aufnahmetechniken. Ich habe Caruso mein Leben lang studiert.

An ihn reicht nichts und niemand heran. Weder an seinen Stimmumfang, Bass bis zum (clarion-like, trompetenhaften) hohen C. Die Wärme und Tiefe, die Linienführung, schlicht alles ist unvergleichlich und wird es bleiben. Da bin ich sicher.

Freddie de Tommaso ist ein fantastischer Tenor dem man abnimmt that he brings the house down. Alles Gute Freddie. Wenn  er klug seine Rollen wählt, nicht zu viel singt und seiner Stimme treu bleibt, werden wir noch viel von ihm hören.

Beste Wünsche, cordialmente Franco Bastiano

In unserem Forum wird gerade über Tenöre diskutiert. Bei diesem Thema gehen die Wogen hoch. Fritz Krammer macht uns darauf aufmerksam, dass wir bei der Scala-Eröffnung den diesjährigen Operalia-Gewinner in der eher kleinen Rolle des „Malcolm“ erlebt haben:

Zu unserer Forumsdiskussion um Tenöre. Fritz Krammer schreibt:

Ich empfehle ein Ohr auf den jungen Peruaner Ivan Ayon Rivas,  Malcolm im Mailänder Macbeth, der ein brillantes Final Duett mit Meli und in Italien schon erstes Fach sang, bevor er unlängst den 1. Preis bei Operalia holte, zu richten. Bei Instagram gibt es auch Gesungenes.

 

https://www.instagram.com/p/CVbPLups8F2/

https://www.instagram.com/p/CV840tJs_qn/

https://www.instagram.com/p/CW1YzBAsZfE/

MAILAND: Prominenz bei der Scala-Eröffnung:

Placido Domingo („ looking for business“!) mit dem Tänzer Roberto Bolle

 

ZU INSTAGRAM Mit einem weiteren Foto

Roberto Bolle ist auch als Model bekannt geworden und seit 1999 einer der italienischen UNICEF-Sonderbotschafter. 2006 besuchte er den Sudan und warb nachfolgend über 650.000 US-$ für dortige Erziehungs- und Gesundheitsprojekte ein. Bei der Eröffnungszeremonie zu den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin war Bolle einer der Repräsentanten für die Moderne.

Wien: Dank Öffnung Premieren-Reigen kurz vor Weihnachten
Mit dem Lockdown-Ende am Wochenende kann die Kultur wieder aufleben: Was bieten die Wiener Häuser?
WienerZeitung.at

Italienische Regisseurin Lina Wertmüller ist tot
Die bekannte italienische Regisseurin Lina Wertmüller ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Die gebürtige Römerin Schweizer Abstammung starb in der Nacht auf Donnerstag in ihrer Wohnung in Rom, teilten die Angehörigen mit.
https://orf.at//stories/3239576/

Lina Wertmüller: Eine Lebefrau des Euro-Kinos
https://www.diepresse.com/6072161/lina-wertmuller-eine-lebefrau-des-euro-kinos

Wenn ich mich richtig informiert habe, brachte Lina Wertmüller bei ihrer Münchner „Carmen“-Inszenierung (1986?) erstmals ein Auto bei „Carmen“ auf die Opernbühne!

Österreich: Florestan-Initiative bringt erneute Verfassungsklage sowie Menschenrechtsbeschwerde beim EGMR ein
Die „Florestan“-Initiative von Pianist & Dirigent Florian Krumpöck und Kulturmanager Mag. jur. Florian Dittrich hat im März 2021 zusammen mit dem Rechtsanwalt Dr. Wolfram Proksch (ETHOS.legal) eine Verfassungsklage zum Schutz und für die Rechte der Kunst und Kultur eingebracht.
OTS Presseausssendung

Kunst und Kultur dürfen nun wieder öffnen, der Hemmschuh mit den zusätzlichen Testungen fällt weg. Nun hat das Publikum die Chance zu beweisen, dass ihm etwas gefehlt hat. Die Staatsoper darf vor 2000 „Kulturverliebten“ spielen, ich gehe jede Wette ein, dass der Rahmen nicht voll ausgeschöpft wird. Meine Damen und Herren, es liegt nun an Ihnen!

Wien/ Volksoper
Christoph Ladstätter bleibt an der Volksoper als Kaufmännischer Geschäftsführer.
Der Vertrag des kaufmännischen Geschäftsfürers wurde bis 2027 verlängert.
WienerZeitung.at

Es bleiben in der Wiener Volksoper auch unter der neuen Direktorin einige Steine über den anderen. Die Vertragsverlängerung ist zwar Sache des Eigentümers, der in diesem Fall von der Staatsesekretärin Mayer vertreten wird, es ist jedoch anzunehmen, dass die sich mit der neuen Direktion in diesem nicht unwesentlichen Punkt abgesprochen hat

Wiener Symphoniker starten am 12. Dezember Konzertbetrieb

„Puls der Stadt“. Copyright: David Payr

Die Wiener Symphoniker feiern die Eröffnung des Kulturlebens in Wien schon am kommenden Sonntag. Ádám Fischer wird im Wiener Konzerthaus Antonín Dvořáks 9. Symphonie und Jean Sibelius’ Violinkonzert in d-moll mit Solist Nikolaj Szeps-Znaider aufführen. Das Konzert wird gleich zwei Mal, um 11:00 und um 15:00 Uhr gegeben. “Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam mit dem Wiener Konzerthaus gleich am ersten Tag nach dem Lockdown zwei Konzerte organisieren können. Als Orchester der Stadt Wien sehen wir es als unsere Aufgabe an, so lange wie möglich und so früh wie möglich für unser Publikum zu spielen“, sagt der Intendant der Wiener Symphoniker, Jan Nast.

Mehr darüber in den „Infos des Tages“

Ich bin einigermaßen verwirrt, denn es war vom Ende des Lockdowns mit Auslaufen des 12.12., also des Sonntag, die Rede. Deswegen öffnet die Staatsoper erst am Montag, den 13.12. Hat nun die Stadt Wien den Termin vorverlegt oder sind einige Veranstalter vorgeprescht?

GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK  9. – 15. DEZEMBER 2021

 

11.12. A MIDSUMMER MARRIAGE (aus London, Aufnahme v. 25.9.) Radio 4Hilversum- 19 Uhr
ELISABETTA,REGINA D’INGHILTERRA (aus Bad Wildbad,Aufnahme v. 3.7.) Deutschlandradio-19.05 Uhr
GÖTTERDÄMMERUNG (aus Paris, Aufnahme v. 28.11.2020) ORF Ö1-19.30 Uhr
TOSCA (Live zeitvers. aus New York) BBC 3-19.30 Uhr
GIOVANNA D’ARCO (aus Rom, Aufnahme v. 17.10.) RAI 3-2 Uhr
LEAR (aus München, Aufnahme v. 30.5.) HR 2-20 Uhr
12.12. IL BARBIERE DI SIVIGLIA (aus München, Aufnahme v. 8.5,2005) BR 4-19.05 Uhr
DIE WALKÜRE (aus Paris, Aufnahme v. 24.11.2020) RAI 3-20 Uhr

UNSER MUSIKALISCHER ADVENTKALENDER – TEIL 6
zusammengetellt von TTT

Roberto Alagna – In Dulci Jubilo ( 15. Jahrhundert, Kirchenlied)
Roberto Alagna (* 1963) französischer Opernsänger (Tenor) italienischer Herkunft.

https://www.youtube.com/watch?v=ZEaSO06kQ6U

Neue Oper Wien erhält „Preis der deutschen Theaterverlage“

 

Der „Preis der Deutschen Theaterverlage“ 2021 geht erstmalig an eine freie Compagnie im deutschsprachigen Ausland: an die Neue Oper Wien

Der von der Stiftung des Verbandes Deutscher Bühnen- und Medienverlage jährlich vergebene Preis der deutschen Theaterverlage würdigt im Wechsel die Förderung der Sprech- und Musikdramatik in Schauspiel oder Oper im deutschsprachigen Raum. Die Entscheidung für den insgesamt 15. Theaterpreis fiel 2021 einstimmig für die Neue Oper
Wien, die NOW. Damit zeichnet die Jury erstmalig sowohl eine Compagnie im deutschsprachigen Ausland als auch eine frei arbeitende Musiktheatergruppe aus, die sich seit ihrem Bestehen dem zeitgenössischen Musiktheater und der Förderung moderner Werke und ihrer Autor:innen verschrieben hat.

Nürnberg
Kongresshalle wird Interims-Spielstätte für Nürnberger Oper
Nun ist es raus: Die Kongresshalle auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände soll die Interims-Spielstätte für die Nürnberger Oper werden. Zuvor hatten die Entscheidungsträger lange darüber diskutiert.
BR-Klassik.de

Oper soll auf einstiges NS-Gelände in Nürnberg ziehen
Stadtrat einig – Ausweichen auf historisch belasteten Ort teils kritisiert, aber auch Hoffnung auf neue Auseinandersetzung mit Geschichte
Der Standard.at

Trois anges sont venus ce soir

 

Zum VIDEO

Ausstellungen/ Kunst

Madrid: 7,5-Meter-Stern auf Sagrada-Familia-Turm eingeweiht
Auf dem zweithöchsten Turm der Sagrada Familia in Barcelona ist ein riesiger Leuchtstern eingeweiht worden. Vor Tausenden Menschen erteilte der Kardinal und Erzbischof von Barcelona, Joan Josep Omella, dem „Stern von Betlehem“ gestern Abend nach einer heiligen Messe den Segen.
https://news.orf.at//stories/3239506/

Narzissmus: Eine simple Frage entlarvt Narzissten
Selbstverliebtheit und Egozentrik nerven, Selbstbild und die Gefühlswelt passen nicht zusammen, gieren nach Anerkennung, Aufmerksamkeit; geben vor, alles zu können; machen sich aber selbst nie die Hände schmutzig. Meister des ersten Eindrucks. Sie lieben sich – weil sie so toll sind.
TTT’s Hinweise auf Psychosoziales (soziale Gegebenheiten, die unsere Psyche beeinflussen) haben immer deutlich relevantes „Gewicht“ für gegenwärtiges Theater.
https://karrierebibel.de/narzissmus/

Aktuelles aus der „Neuen Zürcher Zeitung“

  • Volkstribunal bezichtigt China des Genozids an Uiguren: Ein unabhängiges Volkstribunal in London ist zum dem Schluss gekommen, dass Peking gegen die Uiguren Verbrechen gegen die Menschlichkeit und einen Völkermord verübt. Rechtlich gesehen hat dies keine Konsequenzen, verstärkt jedoch den politischen Druck auf westliche Regierungen, diplomatisch gegen Peking vorzugehen.
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  • Österreichs Parlament prüft Korruptionsvorwürfe gegen ÖVP: Ein Untersuchungsausschuss soll klären, wer die politische Verantwortung für das mutmassliche System von Korruption und Machtmissbrauch trägt. Gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz, seine Partei ÖVP und weitere Partei-Schwergewichte laufen bereits Untersuchungen, unter anderem wegen Korruption und Falschaussagen.
    Zum Bericht
  • Nicaragua bricht zugunsten Chinas mit Taiwan: Nicaragua hat seine diplomatischen Beziehungen zu der ostasiatischen Inselrepublik Taiwan für beendet erklärt und sich zu Pekings Ein-China-Doktrin bekannt. Der Grund für den Seitenwechsel war zunächst unklar. In den Jahren 2017 und 2018 hatten bereits die lateinamerikanischen Staaten Panama, Dominikanische Republik und El Salvador zugunsten Chinas mit Taiwan gebrochen.
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  • 53 Migranten sterben bei Lkw-Unfall in Mexiko: Der Laster kippte am Donnerstag im südmexikanischen Ort Chiapa de Corzo um. Er habe mittelamerikanische Migranten transportiert, teilte Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador auf Twitter mit. Es soll auch Dutzende von Verletzten gegeben haben.
    Zum Bericht
  • Nutzfahrzeugkonzerne gehen an die Börse: Neben der Daimler-Nutzfahrzeugsparte Daimler Truck AG bringt auch der Bau- und Landmaschinenkonzern CNH Industrial (Case, New Holland) seine Nutzfahrzeugsparte Iveco Group mit den Marken Iveco, Heuliez (Busse), Magirus (Feuerwehrfahrzeuge), Iveco Defence und der Powertrain-Sparte an die Börse. Zum Bericht
  • Was die Schweizer 2021 am meisten gegoogelt haben: Überraschenderweise gehört der Spitzenplatz nicht dem Coronavirus. «Euro 2021» war die beliebteste Suchanfrage auf Google. Auch auf den Plätzen drei, vier, fünf, acht, neun und zehn bleibt es mit Suchbegriffen wie «Champions League», «Roland Garros» oder «Serie A» sportlich.
    Zum Bericht

Hurra, Deutschland erhält mit Olaf Scholz seine*n erste*n feministische*n Kanzler*in
War das ein historischer Tag!

Aber der bedeutendste Aspekt ging unter: Mit Olaf Scholz erhält das Land seinen ersten feministischen Kanzler.
Darin unterscheidet er sich von Angela Merkel: Sie war nur Frau, was bekanntlich nicht reicht. Scholz aber weiss: Feminismus ist zu ernst, um ihn Frauen zu überlassen. Sprachlich betritt er mutig Neuland. Unlängst schuf er gar ein neues Wort: «Krankenschwesterin».

Und er hat ganz viele Frauen ins Kabinett geholt. Anne Spiegel etwa. Sie will Gesetzestexte gendern: Einbrecher*innen. Oder §812 BGB: «Wer durch die Leistung eines*r anderen …. auf dessen/deren Kosten etwas … erlangt, ist ihm*r zur Herausgabe verpflichtet.»
Weltwoche.de

Das überfordert mich wirklich. Deshalb schließe ich den Kommentar und wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

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