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10. AUGUST 2020 – Montag

10.08.2020 | Tageskommentar


Fächerverbot in Salzburg: Hauch des Todes

Jetzt also auch das noch: Bei den Salzburger Festspielen ist während der Vorstellungen künftig der Einsatz von Fächern untersagt. Wie Lukas Crepaz, der kaufmännische Direktor, mitteilte, könnten durch den Gebrauch nämlich infektiöse Aerosole, die eigentlich von der Klimaanlage nach oben abgesaugt werden sollen, seitlich verteilt werden. Da würde dann auch der freigelassene Corona-Platz und die 1,5 Meter Abstand zwischen den Gästen nichts mehr nützen, denn je nach Fächerform und -stärke besteht die nachvollziehbare Gefahr, dass Viren vom Luftzug meterweit nach links und rechts geschleudert werden und so das Hygienekonzept unterlaufen wird.
Frankfurter Allgemeine

Wenn Salzburg den Boden für einen möglichst „Normalbetrieb“ in den Theatern aufzubereiten gewillt ist, so ist das der Todesstoß für diese vielleicht gut gemeinten Bemühungen. Ich war zwar noch nie mit einem Fächer im Theater, aber eine leichte Abkühlung mit dem Besetzungszettel lasse ich mir sicher nicht verbieten. Nicht auszudenken, wenn mich ein leichter Hustreiz befällt, dann dürfte ich nicht einmal ein ohnedies unterdrücktes Räuspern in ein Taschentuch loslassen, ohne dafür verantwortlich zu sein, dass ganze Sitzreihen sofort die Flucht antreten!

Das ist Hysterie, da spiele ich nicht mit und meide eben Theater! Wie viele werden das in den nächsten Monaten tun?

 

Unser aller Nahrungsmittel, Lebensmittel?

Manchmal lässt einen sein Gedächtnis in Stich. Ich weiß nicht, in welchen russischen Roman jener Idealist vorkommt, dem vorgehalten wird, die arme Bevölkerung hätte kaum genug zum Leben, wie sollten sie da Bücher lesen? Und er antwortet: Sollen sie doch barfuss gehen, wenn sie nur Shakespeare lesen…

Alle durch Corona unterbeschäftigten bis arbeitslosen Künstler führen heute die Formulierung im Mund, Kunst sei ein nötiges „Nahrungsmittel“ für die Menschen.  Da bin ich mir nicht so sicher. Sich Kunst zu leisten, erfordert Freizeit, erfordert Geld, erfordert einen Bildungsrahmen, der das Angebot an Theater, Oper, Literatur, Museen für den Einzelnen auch sinnhaft macht. Allein daran erkennt man, dass sich dieses Angebot, das in den „fetten Jahren“, die wir hinter uns haben, überbordet ist, im Grunde nur an ein Segment der Bevölkerung wendet.

Wie schnell der Mensch, wenn er andere Sorgen hat, bereit ist, auf dieses „Nahrungsmittel Kunst“ zu verzichten, zeigt sich allerorten – der schleppende Besuch in den Museen, die keinesfalls gestürmten Veranstaltungen (wenn selbst die Salzburger Festspiele Probleme haben, ihr verkleinertes Kartenangebot an Frau / Mann zu bringen – oder hat sich herumgesprochen, dass „Elektra“ und „Cosi“ doch nicht gar so toll sind?).

Allerorten wird klar, dass die biblischen „mageren Jahre“ da sind, dass die Überflussgesellschaft zu Ende ist. Auch die Franzosen wissen, dass sie nicht mehr grenzenlos Champagner verkaufen können. Wie heißt es bei Brecht? „Die Verhältnisse, die sind nicht so.“ Nicht mehr. Nicht, wenn sich die Parameter so verschieben wie derzeit, wo für viele blanke Existenznot angesagt ist. Außerdem, machen wir uns nichts vor – auch die Steinzeitmenschen haben erst angefangen, die Wände ihrer Höhlen zu bemalen, als das wirklich Lebensnotwendige (das Jagen und das Essen) erledigt war. Kultur – die schönste Draufgabe der Welt. Die wichtigste (auch wenn manche dem Sport eindeutig den Vorzug geben werden).

Freilich, wenn sich ein so kluger Mann wie Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder in einen Diskussionskampf einlässt, den er nicht gewinnen kann und soll, wird es bedenklich. Denn er meinte (Zitat):

„Ich kann diesen Satz nicht nachvollziehen ‚Wir bestehen auf unser Recht, Theater zu spielen, weil es ein Lebensmittel ist.‘ Ich habe einen anderen Begriff von Lebensmittel, einen handfesteren: Es sollen lieber mehr Menschen leben können – und wir kommen jetzt einmal ohne Theater aus.“

Aber Schröder soll bedenken, dass sein Museum, dass die Museen sich im Grunde auf derselben Ebene bewegen wie die Theater. Denn schließlich fällt alles in die großen Begriffe „Kunst“ und „Kultur“, die das zusammen fassen, womit sich der arbeitende Durchschnittsmensch in seiner Freizeit befasst, um sein Hirn und wohl auch seine Seele zu beglücken. Und wofür er derzeit keinen Kopf (und vielleicht auch kein Geld) hat.

Lassen wir die Hoffnung zuletzt sterben: Vielleicht kann es im Herbst (der ja schon ziemlich nahe ist) wieder ein langsames Anlaufen des „Betriebs“ geben. Wünschen wir, dass die Menschen bald wieder den Kopf und das Geld dafür haben, sich die „Kunst“ im weitesten Sinn zu geben, die wir so üppig genossen haben, ohne so richtig dankbar dafür zu sein. Krisen sind auch für Erkenntnisse da.

Renate Wagner

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Albertina-Direktor: „Ich darf nicht gegen die Betonwand rasen“
Klaus A. Schröder rügt die Regierung, fordert wegen Corona mehr Geld, droht mit Kündigungen – und schlägt vor, auf Theater zu verzichten.
Kurier

Wahrscheinlich habe ich einen noch handfesteren Begriff von „Lebensmittel“ als Herr Schröder. Hätte er die Diskussion angestoßen, ohne gleichzeitig mehr Mittel für seinen Bereich zu fordern, hätte ich ihm Mut zu einer durchaus notwendigen Diskussion zugestanden. Aber Herr Schröder ist auch „Teil des Systems“ und unterliegt wohl einem Denkfehler!

Salzburger Festspiele: COSI FAN TUTTE aus der Sicht von Thomas Prochazka

Ioana Mallwitz und Christof Loy geben auf die unglaubwürdigste Weise die Liebesverstrickungen zweier junger, naiver Paare….

Daß man in Salzburg meinte, man müsse das Werk der Corona-Pandemie wegen, die doch niemals eine »Corona-Pandemie«, sondern immer schon eine COVID-19-Pandemie gewesen ist, auf knapp über zwei Stunden Spielzeit kürzen, Despinas erste, Ferrandos und Guglielmos zweite Arien streichen: es sei. — Ob man auch Wagners Rheingold gekürzt hätte? Und wenn nicht, warum sich nicht auf zweieinhalb Stunden Spieldauer für die Così verständigen und sich anstelle einiger Musikstücke Loys szenischem Leerlauf begeben? Die aktuellen Striche sind begründbar; auch wenn der zweite Akt die Erinnerungen an »Integralfassungen« des ORF aufkommen läßt. Aber in diesem ausgezeichneten Jahr geht es ohnehin um etwas anderes: um 100 oder 101 Jahre Salzburger Festspiele — wer weiß das schon so genau? — und ein, wenngleich für den Steuerzahler kostspieliges, Zeichen.

Dennoch: Diese Produktion krankt am Musikalischen wie am Szenischen. Und weckte in mir Argwohn. (Im Lauf der Begebenheiten wird das alles klar werden.)…

 Lea Desandre (Despina) und Johannes Martin Kränzle (Don Alfonso). © Salzburger Festspiele/Monika Rittershaus

http://www.dermerker.com/index.cfm?objectid=3ADEE680-D3FB-11EA-8D0B005056A64872

LECH / Classic Festival – Special Edition: Camilla Nylund und Piotr Beczala am 8. und 9. August 2020

Camilla Nylund in der herrlichen Gegend in und um Lech. Foto: Klaus Billand

Das edle kleine, aber hochfeine Lech Classic Festival wartete am 8. und 9. August mit einem absoluten Höhepunkt als Schlusspunkt auf. Die Veranstalterin Marlies Wagner hatte es vollbracht, das „hohe Paar“ des „Lohengrin“ der Bayreuther Richard Wagner Festspiele, die ja Corona-bedingt abgesagt wurden, vom Roten Main an den jungen Lech zu holen – wahre Superstars ihres Fachs, die Finnin Camilla Nylund und den Polen Piotr Beczala. Mit dem großartig und beherzt aufspielenden Lech Festival Orchester unter der kompetenten Stabführung von Michael Güttler konnten die beiden bei toller Stimmung unter den Musikern und im Publikum im akustisch guten und fast vollbesetzten Sportpark von Lech alle Facetten ihres Könnens dokumentieren, dabei auch einiges, was man nicht ohne Weiteres von ihnen zu hören bekommt. Der Geiger Dalibor Karvay, seit kurzem Konzertmeister der Wiener Symphoniker, mehrmals, die Flötistin Birgit Ramsl-Gaal und der Cellist Sebastian Bru spielten an beiden Abenden virtuos vorgetragene Stücke aus ihrem Solo-Repertoire – instrumentale Glanzpunkte!..

Zum Bericht von Klaus Billand

Interview mit Camilla NYLUND in Lech/Arlberg am 7.8.2020Susanne Lukas

Camilla Nylund. Foto: Anna S.

Camilla Nylund, weltweit gefeiert als großer dramatisch-lyrischer Sopran, seit über 15 Jahren als umjubelter Fixstern an den wichtigsten internationalen Opernbühnen zu Hause, hat sofort mit Freude für das kleine, aber herausragende Lech Classic Festival – Special Edition zugesagt und auch kurzfristig die Rolle der Diva Tosca einstudiert, um nach nur 2 Orchesterproben ihr Rollendebüt in dem bezaubernden Dorf am Arlberg zu geben…

Susanne Lukas sprach in Lech mit Camilla Nylund. ZUM INTERVIEW

Armutszeugnis für die „Musikstadt Hamburg“: Der neue Spielplan der Hamburgischen Staatsoper

„Lustlos, elanlos, mehr als sparsam und ausgedünnt“

 So ähnelt die Staatsoper Hamburg dem Hamburger Sport-Verein (HSV) der Opernliga: Anfang der 1980er-Jahre die beste Mannschaft Europas (!) und Europapokalsieger der Landesmeister (also Europa-Cup – Champions-League- Sieger) –heute eine „Gurkentruppe“ in der Zweiten Bundesliga.

Wer das Programm der Staatsoper Hamburg mit den Programmen der Häuser in Berlin, München, Wien und Mailand vergleicht, dem kommen die Tränen. Bonjours tristesse, Hambourg! Bitte, liebe LeserInnen von klassik-begeistert.de, schauen Sie unbedingt einmal in die Spielpläne dieser großen Häuser… Wo möchten Sie Ihre Opernabende verbringen? An der Dammtorstraße oder im Haus am Ring in Wien?

Klassik-begeistert – aber keineswegs über die Staatsoper Hamburg
von Andreas Schmidt, Herausgeber Klassik-begeistert

Innsbruck/ Festwochen der Alten Musik
Innsbrucker Festwochen der Alten Musik: Das Leben ist eine Baustelle
Bei Ferdinando Paërs Oper „Leonora“ konnte im Beethoven-Jahr vergleichende „Fidelio“-Forschung betrieben werden
Der Standard

Festwochen-Eröffnung mit „Leonora“: Stimmen feiern prachtvoll die Liebe
Tiroler Tageszeitung

METROPOLITAN OPERA: STREAMS (kostenlos) vom 10. – 16. August 2020

 

Week 22

Monday, August 10
Puccini’s Manon Lescaut
Starring Karita Mattila, Marcello Giordani, and Dwayne Croft, conducted by James Levine. From February 16, 2008.

Tuesday, August 11
Bizet’s Carmen
Starring Aleksandra Kurzak, Clémentine Margaine, Roberto Alagna, and Alexander Vinogradov, conducted by Louis Langrée. From February 2, 2019.

Wednesday, August 12
Verdi’s Rigoletto
Starring Christiane Eda-Pierre, Isola Jones, Luciano Pavarotti, Louis Quilico, and Ara Berberian, conducted by James Levine. From December 15, 1981.

Das weitere Programm bis zum kommenden Sonntag finden Sie in unseren „Infos des Tages“

Literatur

Philosophische Orte: Ludwig Wittgenstein als Lehrer in Trattenbach
Nach dem Ersten Weltkrieg wollte Ludwig Wittgenstein von Philosophie nichts mehr wissen. Im österreichischen Feistritztal suchte er als Dorflehrer das einfache Leben – mit mäßigem Erfolg.
DeutschlandfunKultur

Maske große Belastung: Auch SPÖ fordert nun Maskenpause alle zwei Stunden
https://www.krone.at/2207795

Natürlich belastet diese Forderung die Wirtschaft – aber da ich nicht mehr deren Teil bin, habe ich leicht reden. Die Maske bei diesen Temperaturen ist eine Quälerei, eine Tortur. Selbst Regierungsmitglieder sprechen von „nur bzw. vor allem Symbolwirkung“. Also unterstütze ich die Forderung nach einer bezahlten Pause und die große Regierungspartei soll sich das mit ihrer Klientel selbst ausmachen!

Der Schlauberger 12: Wenn’s summt, musst du drücken – Heute: Alles nur Abfall
Bitte festhalten, hier kommt eine Elektrofischscheuchanlage. Damit eröffne ich die nächste Lektion „Behördendeutsch für Fortgeschrittene“.
Reinhard Berger präsentiert Kurioses zum Thema Deutsche Sprache
Klassik-begeistert

Dessous-Kampagne
Tom Neuwirth im BH: „Kleiden nach eigenen Regeln“
https://www.krone.at/2201899

Männer in Damenunterwäsche! Ich kommentiere das nicht, bilden Sie sich Ihre eigene Meinung

Am Wiener Gürtel gibt es einen Wasser-Pool – hochtrabend ausgedrückt. Vom Schwimmen kann bei dieser Becken-Dimension wohl keine Rede sein. Es handelt sich um ein 1,40 m tiefes Plantschbecken. In Zeiten, in denen man im Theater keinen Fächer benützen darf, ist es mir schwer erklärbar, dass ein derart kleiner Pool, in dem pro Tag mehrere hundert Menschen Abkühlung suchen, keine Gesundheitsgefährdung darstellt.

Womit ich Sie in einen hoffentlich schönen Tag entlasse

A.C.

 

 

 

 

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