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1. MAI 2020 – Freitag/ Feiertag „Tag der Arbeit“

01.05.2020 | Tageskommentar


Streams zum „Zeittotschlagen“!

Es ist eigentlich unfassbar und erschütternd zugleich: Viele von uns sind zur Untätigkeit gezwungen und wollen sich die Zeit „vertreiben“ – noch drastischer „die Zeit totschlagen“!

Dabei ist Zeit das wervollste Gut, das wir haben, noch dazu begrenzt und unwiederbringbar. Und ich biete Ihnen hier Tipps an, dieses wertvollste Gut „totzuschlagen“. Ehrlich, ich habe ein saumäßig schlechtes Gefühl dabei!

Stream zum „Zeittotschlagen“ aus der Metropolitan-Opera3o.4. (läuft bei uns am 1.5. tagsüber)

Nico Muhlys MARNIE

Isabel Leonard. Foto: Metopera

Starring Isabel Leonard, Iestyn Davies, and Christopher Maltman, conducted by Roberto Spano. From November 10, 2018.

Sehr viele Kinoübertragungen aus der Met habe ich mir nicht angeschaut, wohl aber habe ich mich dieses Werks „erbarmt“. Dringende Empfehlung, ich schaue mir Marnie heute nochmals an! www.metopera.org

Mich betrifft das derzeitige Problem so überhaupt nicht. Der „Online-Merker“ hat keinen finanziellen Schaden (ich habe ja immer gesagt, dass wir keinen Cent Werbeeinnahmen lukrieren), wir bezahlen auch keine Mitarbeiter und die Quote sinkt nicht dramatisch. Die Frage ist freilich, wie lange dieser Zustand so bleibt. Irgendwann ist „Schluss mit lustig“ . Was mich betrifft, habe ich mehr Arbeit denn je, denn die Informationsschiene ist mein Bereich und derzeit bedienen wir vorwiegend diesen.

„Wir brauchen Planungssicherheit“. Das ist derzeit der dümmste Satz, der immer wieder gebraucht wird – speziell von den Theatern.  Wer kann denen Planungssicherheit geben, wagt sich doch keiner der Politikhelden (nicht nur in Österreich) aus der Deckung.  Der Handel, die Dienstleister fahren ab heute wieder hoch. Wie hoch und wie viele ist freilich die Frage. Selbst Prostitution wäre ab heute wieder erlaubt gewesen, im letzten Moment haben das unsere Blitzgneisser geschnallt und diese Dienstleistung ausgenommen.

Österreich: Auch Prostitution wäre wieder erlaubt gewesen, doch Ministerium stoppt Prostitutionserlaubnis in letzter Minute
Befürchtungen, das Coronavirus könnte so wieder verbreitet werden. Nach KURIER-Bericht kam nun doch eine Verordnung.
Kurier.

Kurios und gleichzeitig bezeichnend: Die Prostituierten und deren Zuhälter wollten eigentlich gar nicht jetzt schon „arbeiten“. Die käuflichen Damen haben mehr Hirn in der Birne als die Murkser, die an die Bearbeitung derartiger Verordnungen herangelassen wurden! !

Nur die kulturellen Veranstaltungen sind explizit ausgenommen, an denen demonstriert man Verantwortungsbewusstsein, während man die Touristen wieder ins Land bitten will. Es genügt ja der Besuch von Schloss Schönbrunn – das nun auch wieder geöfffnet hat und der Blick auf die Berge, die immer geöffnet haben. Wobei natürlich die Salzburger Festspiele besonders schmerzen, weil da einige Geldsäcke fehlen werden. Denen würde man wohl ganz gerne eine Ausnahmegenehmigung erteilen – aber das würde denn doch zu blöd ausschauen. Irgendwas will man sich einfallen lassen – aber das werden sicher heine Festspiele! Der Stellenwert der Kultur ist klar! Kultur ist zum Vorzeigen da, richtig geliebt wird sie nicht – so nach dem Motto früherer Tage „räumts das Silber weg, die Künstler kommen“!

Selbst Bäder dürfen Ende des Monats wieder öffnen. In Wien hatte der Bürgermeister eine Königsidee (Bürgermeisteridee ist da zu wenig). Bäder auf, aber ohne Wasser! Kein Scherz, heute ist der 1. Mai, nicht der 1. April! Davon war er angeblich wieder abzubringen oder wird es noch sein! Bäder mit Wasserbenützung also – großartig! Aber Sommerfestspiele im Freien – undenkbar!

Das heißt, so undenkbar ist es wiederum nicht – mit Sicherheitsabstand ist auch ein Festspielbetrieb möglich. Bloß ist das eine so weltfremde Idee, dass die Theater lieber darauf verzichten werden und statt dessen zur Politik um Almosen winseln gehen. Den Politikern kann das nur recht sein, denn Bittsteller sind ganz leicht in den Griff zu bekommen.

Soviel zur Unabhängigkeit von Kunst und Kultur (die es aber nie gegeben hat).

Sommertheater NÖ: Absage der Produktionen wird empfohlen
Die traditionellen Theaterproduktionen an 20 Spielorten in Niederösterreich werden heuer der Corona-Krise zum Opfer fallen.
Kurier

In Niederösterreich „empfiehlt“ man die Absage der Sommerfestivals, selbst absagen will man sie nicht. Da können die zuständigen Politiker ja immer noch sagen, dass die Festspieler ja spielen hätten können, wenn sie das im Rahmen der Bedingungen machen.

Von Klosterneuburg habe ich noch keine Absage gehört, rechne aber stündlich damit. Das ist nämlich keine Entscheidung der Festspiele, sondern der Stadtgemeine. In Klosterneuburg wohnt Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und die Stadt ist fest in der Hand ihrer politischen Ausrichtung. Traut sich wer mit mir gegen eine Absage zu wetten? Ich biete den zehnfachen Einsatz an, mein Wettpartner müsste also nur 10 % von dem bezahlen, was ich im Falle einer Austragung von „operklosterneuburg“ zahlen würde!

ZUM 1. MAI, dem Tag der Arbeit

Heinz Conrads rechnet die Arbeitsleistung eines Wieners vor

ZUM VIDEO

Maggio Musicale Fiorentino macht heute einen live stream, wie ihn die MET hatte.

Pereira machts möglich:

https://www.rossorubino.tv/en/maggio-musicale-fiorentino-il-concerto-in-diretta-va-online/

Gut Immling
Corona-Krise in Immling: „Es macht keine Freude sich Opern anzuhören, wenn alle Angst haben“
https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/immling-intendant-ludwig

Die Haltung ist typisch und verständlich zugleich. Den Menschen wurde Angst eingejagt (zumindest in Österreich steht das sogar in einem Protokoll), Der Sitznachbar ist somit Feind und Todbringer! Werden wir das je aus unseren Köpfen bekommen? 

Die wollen doch nur spielen
Orchester und Opern drängt es aus der Isolation. Berlins Philharmoniker machen am 1. Mai den Anfang. Geplant sind geschrumpfte Sinfonien und Autokino-Opern
Die Welt.de

Die Berliner Philharmoniker konzertieren heute in der leeren Philharmonie in Kammerbestzung, andere Theater wären bereit, auch vor 15 „Todesmutigen“ zu spielen! Ich das noch zu verantworten?

Bayreuths neuer Wotan : Ich bin sicher kein Luxusmensch Bezahlartikel
Günther Groissböck hätte bei den Bayreuther Festspielen den Wotan im neuen „Ring des Nibelungen“ singen sollen. Jetzt sitzt er im Tessin fest. Ein Gespräch über Schranken im Kopf und die schwäbische Hausfrau.
Frankfurter Allgemeine

Günther Groissböck nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Aufpassen, lieber Herr Wotan, der Begriff „Corona-Leugner“ ist schon erfunden. Ein Arzt, der in Servus TV vor drei Wochen dem bekannt liberalen Ärztekammerpräsidenten widersprochen hat, wird standesrechtlich abgeurteilt. Ganz böse Zungen behaupten sogar, dass der Ärztekammerpräsident bei der Bundesregierung die Einführung des Scheiterhaufens beantragen will, damit dem Dr. Fiala noch eine letzte Chance zum Abschwören von seiner These gegeben wird – andernfalls wird der Haufen angezündet – mit dem Ketzer mittendrin!

HEUTE 19 h: Digitale Corona-Oper aus Salzburg hat Premiere
Start am 1. Mai auf YouTube: Grenzen zwischen Film, Oper, Digitalität und Musik verschwimmen
Der Zeitpunkt der Uraufführung ist eine Punktlandung: Am ersten Tag nach dem Ende der Ausgangsbeschränkungen in Österreich erlebt eine digitale Oper aus Salzburg ihre Premiere: Das Opernexperiment „Tag 47“ ist am 1. Mai um 19.00 Uhr im Internet via Livestream zu erleben.
Wiener Zeitung

Langes Klassikwelt 12: Jammerlappen-Pop.Frau Lange oder wie sie die Welt sieht…
Die Popmusik der letzten Jahre eröffnet eher selten fröhliche Fluchten aus dem Alltag. Heftiges Verliebtsein, einfach mal vor Glück schweben? Da muss man schon hinten im Plattenschrank kramen. Auch als Ventil für Frust, Zorn, Enttäuschung bietet sich der Mainstream-Pop kaum an. Seit längerer Zeit regiert resignierte Langeweile. Perfekt verpackt. Leidenschaft? Fehlanzeige. Was ist da los?
„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“
Klassik-begeistert

GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK 30. APRIL – 6. MAI 2020

 

2.5. KATJA KABANOVA (aus New Yorg, Aufnahme v. 25.12.2004) WDR 3,Radio 4Hilver-
sum-19 Uhr
WIR GRATULIEREN (aus Berlin. Aufnahme v. 23.9.2018) und
LADY MAGNESIA (aus Berlin, Aufnahme v. 11.2.) Deutschlandradio-19.05 Uhr
SIMON BOCCANEGRA (aus New York, Aufnahme v. 5.2.2011) ORF Ö1-19.30 Uhr
TURANDOT (aus New York, Aufnahme v. 30.1.2016) BBC 3-19.30 Uhr
ARMINIO (aus Bukarest, Aufnahme v. 14.9.2019) HR 2-20.04 Uhr
3.5. NORMA (aus Hamburg, Aufnahme v. 8.3.) France Musique-20 Uhr
LE ROI D’YS (aus Liege, Aufnahme v. 28.3.2008) SWR 2-20.50 Uhr

Am 1. Mai 2020 sollte ELISABET STRID ihr Haus- und Rollendebut an der Deutschen Oper Berlin in Tannhäuser geben.

Nachdem sie die ELISABETH in Tannhäuser bereits an der Semperoper Dresden, beim Hong Kong Festival, an der Oper Leipzig, der Rheinoper Düsseldorf und der Norske Oper Oslo gesungen hat, sollte sie an der Deutschen Oper Berlin erstmals dazu die VENUS verkörpern.

Elisabet Strid mit Stephen Gould im Dresdener Tannhäuser. Foto: Matthias Creutziger

Leider wurde auch Walküre (SIEGLINDE)  an der Lyric Opera Chicago abgesagt und ein weiteres Rollendebut als EVA in Meistersinger bei den Wagner-Tagen Budapest. Künftige Engagements führen sie als SALOME nach Leipzig und Düsseldorf, als CHRYSOTHEMIS in Elektra nach Palermo und Tel Aviv und als SIEGLINDE nach Tokyo.

Sehen Sie ELISABET STRID in einem Interview für artist communication auf Facebook: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=4373680035991603&id=878533795506262

Das Warten hat kein Ende und so weitet die Komische Oper Berlin ihr Streaming-Angebot im Mai aus.

Ab 1. Mai wird Jewgeni Onegin in der Premierenbesetzung mit Asmik Grigorian und Günter Papendell wieder zu erleben sein – als kostenloser Stream von 2016. Einen Stream, der so noch nicht zu erleben war, möchten wir ab 10. Mai präsentieren: die umjubelte Barrie-Kosky-Inszenierung von Moses und Aron. Weiterhin ist ab 17. Mai ein Wiedersehen mit einer liebestollen Pharaonin in Die Perlen der Cleopatra geplant und am Monatsende mit Orpheus, dem ersten Teil der Monteverdi-Trilogie (31.5.).

Weitere Streams sind weiterhin verfügbar!

Buchbesprechung: Jens Malte Fischer KARL KRAUS – Der Widersprecher
1102 Seiten, Paul Zsolnay Verlag, 2020

Besuchen Sie Renate Wagners FILMRUBRIK

Dieses Buch hebt  so schön wie originell an, denn Jens Malte Fischer lädt den Leser gleich zu Beginn (kein persönliches Vorwort) zu einem Spaziergang ein: nämlich durch die Wohnung von Karl Kraus, wie die Nachwelt sie von Fotos her kennt. Von 1912 bis zu seinem Tod 1936 bewohnte er zweieinhalb Zimmer in der Lothringerstraße 6, also sehr zentral im Ersten Bezirk in Wien. Arbeitszimmer, groß, Schlafzimmer, klein, Bad und ein Vorraum. Behutsam führt der Biograph durch die ganz private Welt des Karl Kraus, für den es die wahre Bezeichnung noch nicht gibt, Journalist und Dichter, der auch Lyrik und Dramen schrieb, seine Aufgabe aber in unaufhörlicher, unerbittlicher Kritik seiner Welt und seiner Zeit sah.

Dieser Karl Kraus (1874-1936), der seine eigene Zeitschrift „Die Fackel“ gründete und sich damit jene völlige Unabhängigkeit sicherte, die ihn von so gut wie allen Kollegen unterschied, war schon zu Lebzeiten ein Faszinosum und permanentes Ärgernis zugleich, hatte leidenschaftliche Anhänger und ebenso leidenschaftliche Gegner. Und irgendwie hat sich dieses „von der Parteien Gunst und Haß verwirrt“ bis heute gehalten. Darum muss ein Biograph auch vielleicht nachdrücklicher Stellung beziehen als bei einer weniger umstrittenen Persönlichkeit…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Deutschland
Wenn sich der Staat in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen
Der Staat, selbst der sympathische, demokratische, liberale Rechtsstaat, ist Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Er wird gebraucht, nicht nur in der Not. Er sorgt für Sicherheit, nach Außen, nach Innen, im Sozialen. Aber der Staat hat zugleich die gefährliche Tendenz zur Einmischung in Daseinsbereiche, die ihn in einer marktwirtschaftlichen Ordnung schlicht nichts angehen.
https://www.theeuropean.de/ansgar-graw/der-staat-als-dr-jekyll-und-mr-hyde/

Österreich: Sebastian Kurz : Widerspruch ist zwecklos
Der österreichische Bundeskanzler braucht den Ausnahmezustand, denn er regiert durch Angst. Und sein Volk liebt ihn dafür. Ein Gastbeitrag.
Frankfurter Allgemeine

Bitte beachten Sie die Zeitung – eine allererste Adresse

Österreich
Umfrage zur Krise: Angst sinkt, Sehnsucht nach Normalität wächst
Die Zustimmung der Bevölkerung gegenüber dem Regierungskurs beginnt laut Gallup-Stimmungsbarometer zu bröckeln. 78 Prozent der Befragten bescheinigen der Regierung, mit der Coronakrise richtig umzugehen. Ende März waren es noch 91 Prozent.
Tiroler Tageszeitung

Wie bereits mehrmals geschrieben, habe ich einen tollen Beobachterplatz. Von meiner Redaktions-Glastüre (wie habe ich viele Jahre hinter einer undurchsichtigen Blechtüre arbeiten können?) habe ich einen tollen Ausblick – mitten in das Geschehen der Meidlinger FUZO!

Jetzt wäre es wirklich wurscht, jetzt könnte man sogar zumindest Freiluftfestspiele freigeben. Die Menschen, besonders die der mitteilungsfreudigen und redseligen Bevölkerungs-Gruppe angehörig, reissen sich vom Hofer (Aldi) kommend die Maske runter, platzieren diese natürlich auf dem Gehsteig – und reden in Abständen von sicher keinem Meter wie ein Wasserfall miteinander- und das stundenlang! Und ich bin überzeugt, die neue Situation wird folgenlos bleiben! Schönes Wetter schlägt jede Angst – und jede Sache muss ihr Ende haben. Da können die „Glorreichen Vier mit der Maske“ auftreten, so oft sie wollen!

Haben Sie einen schönen Tag

A.C.

 

 

 

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