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1. DEZEMBER 2018

01.12.2018 | Tageskommentar

Heute an der Wiener Staatsoper: Hausdebüt Andrea Caré als Pinkerton in Madama Butterfly. Foto Juan Carranza

Jader Bignamini dirigiert, Elena Guseva (Umbesetzung) ist Cio Cio San, Bongiwe Nakani die Suzuki und Gabriel Bermudez der Konsul Sharpless.

In der heutigen (1. Dezember 2018) Vorstellung von „Madama Butterfly“ springt Elena Guseva kurzfristig für die erkrankte Ana María Martínez als Cio-Cio-San ein.

Andrea Caré ist am Mittwoch, 5. 12. um 19 h bei uns in der Online-Galerie zu Gast. Er wird mit Dr. Manfred A. Schmid ein Gespräch führen, auch Tonbeispiele werden zu hören sein.

Der Eintritt ist frei, mehr noch, nach alter Gepflogenheit sind Sie unser Gast!

WIENER STAATSOPER IN VORBEREITUNG ZUR PREMIERE „DIE WEIDEN“

Ein Interview mit Udo Samel, geführt von Dr. Renate Wagner am 30.11.2018 in den Räumen der Wiener Staatsoper

 

UDO SAMEL: Alles hat seine Zeit

Es mutet seltsam an, einen berühmten Schauspieler wie Udo Samel im Zusammenhang mit einer Opernpremiere zu interviewen. Tatsächlich hat er in „Die Weiden“ von Johannes Maria Staud / Durs Grünbein eine wichtige Sprechrolle – die allerdings sehr musikalisch zu behandeln ist.

Das Gespräch führte Renate Wagner

Herr Samel, Ihre Figur in „Die Weiden“ heißt Krachmeyer und ist Komponist, wird aber auch in der offiziellen Inhaltsangabe von „Die Weiden“ als „dämonisch-rückwärtsgewandt“ beschrieben. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Sicherlich hat der Krachmeyer mit Krach und Lärm zu tun, und das Orchester in dieser Oper ist oft sehr laut, obwohl es auch ganz starke stille Momente gibt. Möglicherweise hat sich Johannes Maria Staud da selbstironisch eingebracht. Tatsächlich aber zählt Krachmeyer – neben dem Demagogen – zu jenen Figuren des Werks, die sich bei ihrer Umwelt Gehör verschaffen, ohne dass sie etwas Lebensbewegendes oder Neues zu sagen hätten. Sie sprechen vom „armen Abendland“, vom „Erhabenden“, von „Klängen der Heimat“, von der „berechtigte Sorge um den eigenen Stamm“. Und wie das oft bei Verführern so ist, drückt er sich nicht wirklich klar aus. Aber er hat diese „Ich spreche zu Euch als Freund“-Formeln im Mund. Diese Figur, auch wenn sie noch so nichtig ist, muss Zweifel säen – unter den Menschen auf der Bühne und bei den Menschen im Zuschauerraum. Da kann man schon an den großen Verführern Maß nehmen…

ZUM INTERVIEW Udo Samel/ Renate Wagner

GÖTEBORG STARTET EINEN NEUEN NORDISCHEN RING

Start mit „Das Rheingold“

Frida Engström, Mia Karlsson och Ann-Kristin Jones as Wellgunde, Woglinde and Flosshilde – Photo: Mats Bäcker

…Trotz der somit relativ nüchternen Bühnenästhetik versteht das leading team den Zuschauer unmittelbar in das Stück hineinzuziehen. Obwohl „Das Rheingold“ noch nicht von Menschen handelt, möchte der Regisseur die Handlung, die Figuren und Elemente auf die menschliche Ebene ziehen, auch um zu zeigen, wie wir Menschen uns untereinander und gegenüber der Natur verhalten. Natürlich schwebte Wagner auch im „Rheingold“ schon die Vermenschlichung seiner „Rheingold“-Figuren vor, hier wird es aber auch bildlich vollzogen…

Zum Premierenbericht von Dr. Klaus Billand

„Standing Ovation“. Wie ist Ihre Meinung dazu?

 

Gestern wurde das Thema kurz angerissen. Der Vorfall in der Wiener Volksoper ereignete sich bereits am 6.11. nach einer Aufführung „Der Mantel“ von Puccini.

Ein Besucher war so begeistert, dass er stehend applaudierte, das gefiel dem hinter ihm sitzenden älteren Herren nicht, er klopfte mit seinem Gehstock gegen die Schulter des „Stehers“.  Der lief zu den Zeitungen und wahrscheinlich auch zum „Kadi“ und  beklagte dort sein Leid: „Ich wollte doch nur applaudieren“ (vergleichbar mit der Rechtfertigung von Besitzern beißender Hunde: „Er wollte doch nur spielen“). Mitnichten, lieber Opernfreund, Sie haben den hinter Ihnen sitzenden Besuchern die Sicht genommen und das ist schlichtweg rücksichtslos!

„Gast gab mir Stockhiebe, weil ich in Oper klatschte“
Günter P. ist glühender Opernfan. Seine Euphorie wurde kürzlich jedoch bei einem Volksopernbesuch getrübt: Als der 61-Jährige seiner Anerkennung für die Leistung der Schauspieler mit „standing ovations“ Ausdruck verleihen wollte, bekam er Hiebe: Einem anderen Operngast gefiel seine Euphorie so gar nicht.
Heute.at

Meiner Ansicht nach ist der Stehapplaus eine Unsitte, die sich immer mehr ausbreitet. Bei echten Sternstunden kann man ja Verständnis dafür aufbringen, aber heutzutage springt ein „Animator“ nach jedem Schmarren auf, die anderen Besucher glauben, es auch tun zu müssen (Gruppentrieb) und schon wird eine Begeisterung vorgegaukelt, über die sich selbst jene wundern, die auch aufgesprungen sind.

Ich befrage „Wikipedia“ zum „Stehapplaus“:

In bestimmten Ländern regelmäßig, in deutschsprachigen Ländern meist nur bei großer Begeisterung und mit einer besonderen Ehrenbezeugung verbunden, tritt zum langen Beifall auch das Aufstehen hinzu (sogenannter Stehapplaus oder stehender (im Stehen dargebrachter) Applaus). Der englische Ausdruck standing ovation (ovation von lat. ovatio, kleiner Triumph‘, standing für Partizip ‚stehend‘ oder auch ‚anhaltend‘, ‚fortdauernd‘), wird im Deutschen entweder unübersetzt übernommen oder als stehende Ovationen (pl.) wiedergegeben.

Zum Zustandekommen von Beifall im Stehen lässt sich der Gruppenzwang als mögliche Ursache heranziehen: Wenn nur eine geringe Anzahl von Zuschauern aufsteht, fühlt sich der restliche Teil der Zuschauer in der Regel verpflichtet, ebenfalls aufzustehen, auch wenn diese Zuschauer vielleicht nicht so übermäßige Begeisterung empfinden. Genauso kann es vorkommen, dass Zuschauer sich nicht trauen, als Einzelne aufzustehen. Auch hier spielt Gruppennötigung also eine Rolle.

Auszug aus „Zwiebelfisch, sozusagen die „Sprachpolizei“:

Der englische Ausdruck „standing ovation“ bedeutet: lang anhaltender Beifall, stürmischer Applaus. Das Adjektiv „standing“ bezieht sich nicht auf die Körperhaltung der Applaudierenden, sondern auf die Dauer des Beifalls.

Im Deutschen wird dieser englische Ausdruck meist halbherzig mit „stehende Ovation(en)“ übersetzt.

Wenn man tatsächlich „im Stehen applaudieren“ meint, sollte man trotzdem nicht von „stehender Ovation“ sprechen, denn das stünde im Widerspruch zu unserer Grammatik. Schließlich meint man doch nicht, dass die Ovation steht, sondern das Publikum. Wenn man es unbedingt mit einem Substantiv ausdrücken möchte, kann man von „Stehbeifall“ sprechen.

Langanhaltender, stürmischer Applaus, das wäre es doch, das genügt vollkommen. Dazu müssen Sie nicht aufstehen und den Mitbesuchern die Sicht nehmen. Mit Stöcken attackieren geht aber auch nicht, ebensowenig wie die Mitnahme einer Schere, um der vor einem sitzenden Dame mit der hochtoupierten Frisur eben diese zurechtzustutzen (Frisuren sind oft auch eine Rücksichtslosigkeit bei Theaterbesuchen! )

Gelsenkirchen/ Musiktheater im Revier: KÖNIGSKINDER von Engelbert Humperdinck. Neuinszenierung

Bele Kumberger (Gänsemagd) und Almuth Herbst (Hexe) in Engelbert Humperdincks „Königskinder“ in Gelsenkirchen. Foto: Bettina Stöß.

Zu dem von Engelbert Humperdinck favorisierten Typus der Märchenoper gehören auch die „Königskinder“, doch die Naivität von „Hänsel und Gretel“ hat das Werk hinter sich gelassen. Eine Abhängigkeit des Komponisten von der Tonsprache Wagners bleibt unverkennbar, aber darüber hinaus eignet der Musik ein schmerzhaft trauriger Ausdruck von besonderer Prägekraft, welche die „Königskinder“ zu einem psychologisch vielschichtigen Musikdrama aufwertet. Diese individuelle Qualität scheint in jüngerer Zeit neu (an)erkannt zu werden, denn das zunächst als Melodram konzipierte, dann auskomponierte Werk (UA 1910 an der Met) wurde in den vergangenen Jahrzehnten an diversen Theatern gespielt, auch an kleineren Bühnen wie Hagen und Hildesheim…

Zum Bericht von Christoph Zimmermann

Ein Bericht von Clemens Coprian (www.deropernfreund.de)

Zum Bericht

Bericht von Werner Häußner

Kathrin-Susann Brose hat für das symbolistische Kunstmärchen von Elsa Bernstein-Porges, geschrieben unter dem Pseudoym „Ernst Rosmer“, einen Raum gestaltet, der einen Preis verdient hätte – den für das bisher hässlichste Bühnenbild der Saison. Die gelbbraune Halle im Anna-Viebrock-Stil erinnert an unwirtliche Bauten der Siebziger, könnte ein Bahnhof oder auch eine Uni-Aula sein, ist mit einer breiten Treppe schräg im Hintergrund und ein paar Parkbänken möbliert. Das hat sicherlich seinen Sinn, denn die Welt, in der die Gänsemagd als leicht alternativ kostümiertes Mädchen isoliert von herumhetzenden Passanten leben muss, ist alles andere als anziehend. „Hellabrunn“, die Stadt, die sich einen Herrscher wünscht, obwohl es allen gut geht, ist ein Ort ohne Menschlichkeit, ohne Empathie, ohne Liebe. Aber im Lauf der drei Stunden verliert die Bühne ihre Kraft und wird zur Falle, die Ribitzkis Figuren einfängt und nicht mehr freigibt…

Zum Bericht

Berlin/ Komische Oper: Opern-Intendant Barrie Kosky„Manchmal muss man Mamas Busen geben“
Barrie Kosky im Gespräch mit Britta Bürger
DeutschlandfunkKultur

Zum 95. Geburtstag von Maria Callas: Königin der Extreme
Am 2. Dezember wäre Maria Callas 95 Jahre alt geworden. Die Operndiva starb 1977 im Alter von nur 53 Jahren. Damals schien die Opernwelt sie bereits vergessen zu haben. Projekte wie das geplante Callas-Museum scheiterten – und so wurden ihre Besitztümer einfach versteigert. Heute hat sich das Leben der Sängerin längst zum Mythos verklärt. Fans, die sie noch live erleben durften, sprechen von einer geradezu magnetischen Wirkung, die von der Callas ausging. Sängerinnen auf der ganzen Welt müssen sich bis heute mit ihr vergleichen lassen.
BR-Klassik

WIEN/ Volx: HEISENBERG von Simon Stephens
Österreichische Erstaufführung
Premiere: 30. November 2018

Copyright: Barbara Palffy

Auch Erfolgsautoren, und der 47jährige Brite Simon Stephens ist ein solcher, schreiben schwächere Stücke. Käme dergleichen von einem Nobody, die Lektoren in Theaterverlagen und Dramaturgen in Theatern selbst würden sich nicht einmal die Mühe nehmen, ein Ablehnungsschreiben zu schicken. Bei einem bekannten Namen verkauft man die Sache mit diesem – und „Heisenberg“ ist auch kein schlechter Titel. Wenn der Wissenschaftler mit seiner Unschärfe-Theorie auch nie erwähnt wird. Unschärfe… na ja.

Wenn ein Gastspiel nicht gilt, hat das Volkstheater für seine Bezirke-Produktion tatsächlich die Österreichische Erstaufführung an Land gezogen, aber viel Freude wird das damit angespitzte Publikum nicht damit haben. Man hat das Stück übrigens schon im März dieses Jahres im Akademietheater gesehen, damals als Gastspiel des Düsseldorfer Schauspielhauses, mit einer nicht zu toppenden Besetzung mit Caroline Peters und Burghart Klaußner.

Und schon damals hat das Ganze durch seine extreme Künstlichkeit einfach nicht überzeugt…

…Wer mit diesem Stück etwas anfangen will, muss schon ein enormes Potential guten Willens aufbringen – und selbst dann wird es schwer werden.

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

BERLIN/ Berliner Ensemble: MACBETH von Heiner Müller nach Shakespeare

Sasha Nathan als Macbeth. Copyright: Matthias Horn

Es ist nicht der Theaternebel, der mich im Berliner Ensemble ständig durchs Fernglas schauen lässt. Irgendwelches Mobiliar oder eine unheilvoll wirkende Landschaft sind ohnehin nicht zu entdecken. Olaf Altmanns Bühne ist total karg und nur mit Holzbrettern ausgelegt. Die Personen schälen sich aus Schottlands Novemberdunst und lassen beim Näherkommen, blutbeschmiert wie sie sind, nur Böses erahnen.

Stattdessen lohnt es sich, immer wieder das Gesicht von Sasha Nathan zu studieren,  der den Macbeth spielt. Spielen ist anfangs jedoch kaum zutreffend. Eher tapert er umher, zufrieden mit der Weissagung der Hexen, dass er König von Schottland sein werde…

Zum Bericht von Ursula Wiegand

Wiener Dorotheum: Alltag nach dem dreisten Diebstahl
Das Dorotheum ist nach dem Diebstahl eines bis zu 160.000 Euro teuren Renoir in den Fokus geraten – Porträt einer Wiener Institution.
Die Presse

Dass man die Täter noch nicht identifiziert hat, wundert mich. Die Überwachungsfotos sind doch relativ scharf. Dass die Täter aus dem Ausland eigens für diesen Coup angereist kamen und sie deshalb niemand erkennt, glaube ich nicht. 160 000 Euro, von denen wegen des Risikos  wahrscheinlich nur ein Bruchteil zu lukrieren ist, sind einen großen Aufwand nicht wert! „Geschäft“ wird das keines, ich tippe eher auf Kleinkriminelle!

Ein chönes Wochenende wünscht

A.C

Passen Sie auf sich auf. In Wien ist Schnee gefallen und ich habe heute schon einen kapitalen Sturz hingelegt. Zum Glück war ich nur mit einem der beiden Hunde unterwegs und Passanten konnten mir so wieder auf die Beine helfen. Mit Vollbesetzung (zweiter Hund) wäre das wohl nicht möglich gewesen, da hätte ich verstanden, dass sich niemand zu helfen traut. Jetzt hoffe ich nur, dass ich mir nicht den Daumen der rechten Hand gebrochen habe!

Im Wintersportort Mauerbach am Stadtrand liegt derart viel Schnee, dass ich meine Familie, die bereits Donnerstag angereist ist, heute nicht besuche.

 

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